Akteure in Moderationsabläufen

Aus WIGBIT

Wechseln zu: Navigation, Suche

bild:Gruppecopy.gif bild:Akteure_moderatorcopy.gif

Inhaltsverzeichnis

Der Auftraggeber

Der Auftraggeber gibt die Ziele der Moderation vor.

Zuallererst müssen Ziele und Thema der Veranstaltung geklärt werden. Der Moderator setzt sich dazu mit dem Auftraggeber zusammen und klärt schon im Vorfeld wichtige Ziele. Ohne eine konkrete Vorstellung davon, wohin die Veranstaltung gehen soll, ist eine vernünftige Planung und Konzeption unmöglich. Das Ziel der Veranstaltung könnte z.B. sein herauszufinden: "Betriebsratsarbeit im 21. Jahrhundert: Was wird sich ändern? Wie können wir auf Veränderungen reagieren".

Im nächsten Schritt legt der Moderator fest, wie er das Ziel erreichen und umsetzen möchte.

Um das Thema zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern rüberzubringen, braucht der Moderator Methoden. Zusätzlich fertigt der Moderator ein "Seminardesign" an. bild:Akteure_auftraggebercopy.gif

Die Gruppe

bild:gruppecopy.gif

Die Rolle des Moderators setzt sich aus zwei Faktoren zusammen:

Für viele Menschen ist es nicht einfach, in ungewohnter Umgebung mit neuen, z.T unbekannten Menschen neue Formen des Miteinanderredens oder -arbeitens auszuprobieren.

bild:Wer_ist_das_gegenueber.gif

In der Moderation wird dieses Unbehagen akzeptiert. Es wird versucht, eine Umgebung zu schaffen, die es dem Einzelnen erleichtert, mit seinem Unbehagen umzugehen.

Dieses Unbehagen äußert sich je nach Temperament unterschiedlich. Von stiller Zurückgezogenheit bis zur offenen Aggression. Kein Verhalten ist besser oder schlechter als das andere. Es ist Aufgabe des Moderators, die Menschen mit sich selbst, mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern warm werden zu lassen.

Der Moderator muss in der Lage sein, Probleme auf der Beziehungsebene der Gruppe zu erkennen.

Dazu muss er das Machtgefüge der Gruppe durchschauen. Er muss sich häufig zum Anwalt der "Unterprivilegierten" machen, ihnen zur Artikulation verhelfen, um Kreativität und Engagement der Gruppe zur Entfaltung zu bringen.

Der Moderator sollte sich weitestgehend schon im Vorfeld darüber informieren, aus welchem Umfeld die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kommen.

Nützliche Fragen dafür sind:

  • Aus welchem Kulturkreis kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer? Das betrifft vor allem einzelne Unternehmenskulturen.
  • Treffen unterschiedliche Kulturen im Training aufeinander? Das kann schon dann der Fall sein, wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Hierarchieebenen aufeinander treffen. Denn: Verschiedene Funktionen und Hierarchieebenen weisen meist unterschiedliche Kommunikationskulturen auf.
  • Was ist im Trainingsumfeld "politically correct", was nicht? Gibt es Tabuwörter? Welche Themen bergen gewaltigen Zündstoff?

Gruppenmitglieder - Versuch einer Typologie

  • Der oder die positiv Eingestellte

bild:Positiv_eingestellter.gif muss zur konstruktiven Mitarbeit angeregt werden.


  • Der oder die Redselige

bild:Redselige.gif muss bei Bedarf geschickt in seinem Redefluss unterbrochen werden.


  • Der oder die Dickfellige

bild:Dickfelliger.gif muss zur Teilnahme an der Diskussion durch provokante Fragen animiert werden.


  • Der oder dem Streitsüchtigen

bild:Streitsuechtiger.gif keinen Raum für Kleinkriege lassen.


  • Der oder die Alleswissende

bild:Allwissende.gif sollte daran gehindert werden, anderen das Wort zu nehmen.


  • Der oder die Ablehnende

bild:Ablehnender.gif braucht eine Anregung zu positiven und konstruktiven Ideen.


  • Der oder die Erhabene

bild:Erhabener.gif bekommt die Anregung, sich Gedanken über die aktuellen Probleme zu machen.

  • Der oder die Ausfragende

bild:Ausfragende.gif wird ermuntert, selbst Farbe zu bekennen und seine oder ihre Meinung zu äußern.


Besonders zu Beginn eines Seminars oder einer Veranstaltung findet eine statusorientierte Kommunikation zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Aufgabe des Moderators ist, diese Statusorientierung abzubauen. Stattdessen muss eine problemorientierte Offenheit gefördert werden.

Der Moderator

Der Moderator muss zur Gruppe einen Rapport herstellen und aufrechterhalten.

Was heißt "Rapport"? Der Ausdruck "Rapport" kommt aus dem Bereich der Hypnose. "Rapport" ist die gefühlsmäßige und inhaltliche Übereinstimmung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisand, und die drückt sich körperlich aus. Wenn z.B. Körperhaltungen und - bewegungen zweier Gesprächspartner sich einander angleichen, fühlen sich die beiden miteinander wohl. (Siehe auch Lerneinheit "NLP").

Einige Tipps, um den Gruppenrapport herzustellen:

  • Der Moderator kann beim Einstieg oder Zwischendurch etwas Persönliches von sich erzählen oder eine Anekdote.
  • Der Moderator sollte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer mit ihrem Namen ansprechen. Beim Ansprechen auf keinen Fall sagen: "Du dort, was.....?" Durch das Ansprechen der Person mit dem Namen wird Rapport hergestellt. Die Namen muss sich der Moderator schnell einprägen!
  • Der Moderator kann Druck aus der Vorstellungsrunde nehmen, indem er z.B. Paar-Interviews durchführt oder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kleingruppen ins Gespräch kommen lässt.
  • Appelliere als Moderator an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Fragen zu stellen!

bild:Akteure_moderatorcopy.gif

Der Moderator ist der Leiter des Gegenübers, einer Gruppe. Sein Stil ist gekennzeichnet durch eine ganz bestimmte Grundhaltung.

Er versteht sich als Helfer der Gruppe.

Aus diesem Grundverständnis heraus sagt er nicht, was (aus seiner Sicht) richtig oder falsch, zu tun oder zu unterlassen ist, sondern er hilft der Gruppe eigenverantwortlich zu arbeiten. D.h. die Lösungen für ihre Fragen oder Probleme selbst zu finden und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zur Problemlösung zu beschließen.

Unterschiede zwischen traditionellem Training und Moderation

Traditionelles Training und Moderation stellen gegensätzliche Pole der inhaltlichen Arbeit mit Gruppen dar.

bild:Traditionelles_trainingcop.gif

Traditionelles Training:

  • Vermittlung von Inhalten
  • Trainer sorgt aktiv für den Inhalt und den Rahmen (Prozess)
  • Teilnehmer nehmen eher passiv auf

Moderation:

  • Ermittlung von Inhalten
  • Trainer sorgt aktiv nur für den Rahmen
  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiten den Inhalt selbst

Rolle des Moderators

Der Moderator ist kein inhaltlicher Experte: Er ist Methodenspezialist. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Gruppe arbeitsfähig ist oder bleibt. Er trägt dafür Verantwortung, dass die Gruppe ein Ergebnis erarbeiten kann, nicht für dessen inhaltliche Qualität.

bild:das_ist_moderationcopy_1.gif

Die Moderation darf keinen Einfluss auf die inhaltliche Entwicklung eines Gespräches oder einer Diskussion zwischen den Teammitgliedern nehmen. Ein Moderator "coacht" den Kommunikationsprozess. Er sollte sich als Dienstleister verstehen und eine Art "Hebammenfunktion" übernehmen, oder, wie wir schon gesagt haben: "Er muss eine Art Geburtshelfer" für neue Ideen sein.

Die Richtung der Ideenfindung wird immer von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestimmt.

Die Kunst der guten Moderation liegt im Spannungsfeld zwischen methodischem Steuern und absoluter Neutralität.
  • Nicht Partei ergreifen.
  • Beiträge weder werten noch kommentieren.
  • Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichermaßen zu Wort kommen lassen.
  • Kein Teilnehmer hat recht oder unrecht.

Trotzdem können Moderatoren Inhalte in Frageform einbringen; z.B. "Könnte es sein, dass ....?"

Als Moderator haben wir durch die Leitungsfunktion eine Machtposition. Beim Ablauf, d.h. bei den Prozessen, sind wir Experten; hingegen beim Inhalt gilt stets: sich neutral einbringen. Der Moderator muss eine neutrale Rolle übernehmen und sollte nicht danach trachten, ein bestimmtes oder gar von anderen erwünschtes Ergebnis erzielen zu wollen. Er nimmt jede Meinung an, wie sie geäußert wird. Die Entscheidung über Ziele und Inhalte der Diskussion liegt ausschließlich bei der Gruppe.

Der Moderator darf weder sachlich noch persönlich von dem Problem, das die Gruppe bearbeitet, betroffen sein und er muss außerhalb des Machtgefüges der Gruppe stehen. Wenn der Moderator seine Wertvorstellungen und Meinung in die Gruppe einbringt, muss er der Gruppe deutlich machen, dass er an dieser Stelle seine neutrale Position verlässt. Er muss es ihnen sagen.

Moderiert kann nur mit der Gruppe werden, niemals gegen sie. Somit kommt der Akzeptanz eines Moderators eine entscheidende Rolle zu: Damit ein Moderator akzeptiert wird, sollte er eine positive Grundeinstellung gegenüber Menschen besitzen. Seine Haltung ist für die Einstellung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen bedeutsam. Was er mit seiner Körperhaltung, Sprachmelodie, Gestik und Mimik vermittelt, überträgt sich auf die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Dazu erfahren wir Näheres in der Lerneinheit "Die Freie Rede".


Persönliche Werkzeuge