Beispiel Schlau
Aus WIGBIT
Dieses fiktive Beispiel zeigt auf, wie ein Betriebsrat betriebliche Öffentlichkeitsarbeit praktisch umsetzen kann.
Inhaltsverzeichnis |
Worum geht's? - Analyse
Das Betriebsrats-Team der fiktiven Firma Schlau & Söhne steht vor einer schwierigen Situation: Werden nicht mindestens drei neue Freiwillige für die Betriebsratswahl in einem Jahr gefunden, kann keine Interessenvertretung im Betrieb gewählt werden.
Ein zweites Problem ist die Beratung von Beschäftigten mit albanischer oder türkischer Muttersprache und schlechten Deutschkenntnissen. Sie kann bisher nur eingeschränkt stattfinden.
Ein Mitglied des Betriebsrats schildert die Situation:
Audiobeitrag 1 (01:08 Min, 1.05 MB)
Hier geht es zur Textversion des ersten Audios.
Die nahende Betriebsratswahl macht dieses Problem dringend. Drei von fünf aktiven BetriebsrätInnen werden wegen ihrer Pensionierung nicht mehr zur Wahl antreten. Von den Ersatzmitgliedern zeigen ebenfalls drei kein Interesse als aktives Betriebsratsmitglied zu kandidieren, sie wollen aber Ersatzmitglieder bleiben. Dementsprechend fehlen für den Wahlvorschlag mindestens drei Freiwillige. Das Betriebsratsteam setzt sich zusammen und bespricht die Situation. Der Betriebsrat berichtet für uns:
Audiobeitrag 2 (0:40 Min, 637 kb)
Hier geht es zur Textversion des zweiten Audios.
Was wir wollen - Ziele
Der Betriebsrat legt dementsprechend ein Hauptziel fest:
1. Bis zum Mai nächsten Jahres sind mindestens 3 bisher nicht aktive KollegInnen bereit, für den Betriebsrat zu kandidieren.
Wird das Ziel nicht erreicht, kann die Betriebsratsarbeit nicht fortgesetzt werden. Das Team glaubt aber an einen Erfolg und legt noch zwei weitere Ziele fest, die auf der Erreichung des ersten Ziels aufbauen:
2. Die Beratung und Interessenvertretung des Betriebsrats verbessert sich im Laufe der nächsten 2 Jahre, weil mindestens 5 neue KollegInnen mit den Herkunftsgebieten Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo in die Betriebsratsarbeit eingebunden werden. Eingebunden werden sie z.B. als DolmetscherInnen, als BetriebsratskandidatInnen oder als MultiplikatorInnen unter den KollegInnen.
3. Mindestens 60 Prozent der Beschäftigten sollen an der Betriebsratswahl im nächsten Mai teilnehmen.
Wen wir ansprechen - Zielgruppen
Die Aufteilung in drei Ziele setzt sich in der Einteilung der Zielgruppen fort.
- Ziel 1
Die Zielgruppe für zukünftige BertiebsrätInnen sind alle Beschäftigten im Innen- und Außendienst. Allerdings sind die Chancen für ein Engagement größer bei Beschäftigten, die bereits mit dem Betriebsrat zu tun hatten. Der Betriebsrat legt diese Zielgruppe daher folgendermaßen fest: Alle Beschäftigten, die in den vergangenen zwei Jahren mit dem Betriebsrat zu tun hatten.
- Ziel 2
Beschäftigte mit den Herkunftsländern Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo, die bereit sind als DolmetscherInnen, als BetriebsratskandidatInnen oder als MultiplikatorInnen tätig zu werden.
- Ziel 3
Diese Zielgruppe umfasst alle ArbeiterInnen des Betriebs.
Kommunikationsmittel
Bisher hat der Betriebsrat vierteljährlich eine 8-seitige Zeitung herausgegeben, die aber nur wenig gelesen wurde. Bevor Alternativen bestimmt werden, analysiert der Betriebsrat die Zielgruppen genauer. So soll vermieden werden, dass neue Kommunikationsmittel nicht ankommen.
Die Analyse der Zielgruppen für die Medienauswahl ist hier aufgeführt:
Allen Zielgruppen gemeinsam sind folgende Eigenschaften:
- ArbeiterInnen,
- tendenziell mehr Konsum von TV, Radio etc. als von Zeitungen,
- Wohnort in einem Ballungsraum.
Besonderheiten von Zielgruppe 1:
- In den vergangenen zwei Jahren Beratung durch den Betriebsrat aufgrund von arbeitsrechtlichen/sozialen oder sonstigen Problemen.
- Hohe Bekanntheit des Betriebsrates.
- Gutes Image des Betriebsrates.
- Mehr Männer als Frauen.
Besonderheiten von Zielgruppe 2:
- Hauptsächlich Frauen.
- Deutschsprachige Texte werden selten gelesen.
- Häufiger im Innen- als im Außendienst (daher wegen der Arbeitszeiten schwer erreichbar).
Nach dieser Analyse wird immer klarer, dass die Weiterführung der Zeitung in der bisherigen Form nicht sinnvoll ist. Die Betriebsratsmitglieder überlegen, die gut eingeführte Zeitung in knapperer Form und dafür mehrsprachig herauszubringen.
Außerdem überlegen sie die Einführung von Help-Cards, auf denen die wichtigsten AnsprechpartnerInnen für arbeitsrechtliche und soziale Probleme stehen.
Aktuelle Themen der Betriebsratsarbeit sollen an ausgewählte Personen der Zielgruppen 1 und 2 außerdem per SMS kommuniziert werden, da jede/jeder Beschäftigte ein Handy hat. Die Telefonnummern sind dem Betriebsrat bekannt.
Mitglieder der Zielgruppe 1, die dazu bereit sind, sollen an den Betriebsratsitzungen teilnehmen, um so langsam in die Arbeit hineinzuwachsen. Sie werden persönlich angesprochen und mehrmals zum Mitmachen eingeladen. Sie sollen auch dabei helfen, die Help-Cards zu verteilen.
Vor der Wahl plant der Betriebsrat eine Betriebsversammlung, bei der über die Wahl und ihre Bedeutung informiert werden soll. Außerdem soll eine Beratungsecke vor und nach der Versammlung helfen, dringende arbeitsrechtliche Fragen der KollegInnen zu klären.
Der Betriebsrat einigt sich außerdem darauf, DolmetscherInnen aus dem Betrieb anzuwerben, die ihn freiwillig und kostenlos unterstützen. Darüber berichtet der Betriebsrat:
Audiobeitrag 3 (0:44 Min, 694 kb)
Hier geht es zur Textversion des dritten Audios.
Für einen besseren Überblick erstellt der Betriebsrat eine Tabelle, die den Einsatz der Kommunikationsmittel zeigt. Die Tabelle ist als Multiple-Choice-Test hier abgebildet. Mit den bisherigen Informationen aus dem Text und den Erzählungen des Betriebsrats solltest du sie leicht ausfüllen können. - Klicke danach auf den "Auswerten"-Link.
Bitte markiere zu jeder Zielgruppe diejenigen Kommunikationsmittel, mit denen diese Gruppe gut zu erreichen ist. Dazu klickst du einfach in das Feld, das du markieren möchtest. Wenn du alle gewünschten Felder markiert hast, klicke auf "Auswertung".
Hier geht's zur Tabelle Kommunikationsmittel!
Zur optimalen Darstellung von Flash benötigst Du einen Flashplayer. Ein kostenfreier Download ist unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer möglich.
Hier gibt es das Ergebnis noch einmal in Textform.
Die Stärke des Betriebsrats liegt in der persönlichen Beratung – mit oder ohne DolmetscherIn. Als Leitmedium wird daher ein Foto des Teams samt der Erreichbarkeit in allen wichtigen Sprachen im Betrieb aufgehängt. Das Foto und die Info sind auch auf der Help-Card zu finden.
Bei der Betriebsversammlung sind alle Betriebsratsmitglieder präsent – auch die neuen KandidatInnen stellen sich vor. Die Beratungsecken erinnern an die Kernkompetenz des Betriebsrats.
Beim Design entscheidet sich der Betriebsrat für eine schlichte Gestaltung in den Firmenfarben. Das Layout der Zeitung wird auf 2 Seiten gekürzt, aber in den Grundzügen beibehalten, schließlich ist die Zeitung bereits bekannt. Neu ist das Foto des Teams, das auf allen Drucksorten aufscheint.
Ein Zeitplan regelt die zeitliche Verwendung der Kommunikationsmittel:
Bitte fahre mit der Maus über die roten Dreiecke, um die Zusatzinformationen zu lesen.
Hier geht's zur Tabelle Zeitplan! Zur optimalen Darstellung von Flash benötigst Du einen Flashplayer. Ein kostenfreier Download ist unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer möglich.
Hier gibt es das Ergebnis noch einmal Textversion des dritten Audios.
Finanzierung
Die Mittel und Personalressourcen, die bisher viermal im Jahr in die Produktion einer umfangreichen Zeitung geflossen sind, werden nun neu aufgeteilt: So bleibt Geld übrig für die Produktion der Help-Cards.
Die Arbeitszeit der Betriebsratsmitglieder wird entsprechend dem Zeitplan verteilt, ebenso die Finanzmittel. Außerdem wird geschätzt, wie groß der Bedarf an Dolmetsch-Leistungen und Übersetzungen ist und wer dafür zur Verfügung stehen könnte. Die Übersetzungen und Dolmetsch-Leistungen können kostenlos organisiert werden – ein großer Vorteil einer mehrsprachigen Belegschaft!
Umsetzung
Als Beispiel für die Umsetzung sind hier die Vorder- und die Rückseite einer Help-Card des Betriebsrates der Firma Schlau & Söhne abgebildet.
Es ist die deutsch/englische Version. Die Help-Card (in der Größe eines Bierdeckels und aus stabilem Karton) existiert auch in
- deutsch/kroatisch,
- deutsch/türkisch und
- deutsch/albanisch.
Kontrolle
Eine erste Erfolgskontrolle findet im Juni mit der Betriebsratswahl statt: Wurde das Ziel 1 (genug KandidatInnen für die Wahl finden) erreicht?
Ein Mitglied des Betriebsrats berichtet
Audiobeitrag 4 (0:28 Min, 443 kb)
Hier geht es zur Textversion des vierten Audios.
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