Beispiel Stahlo

Aus WIGBIT

Wechseln zu: Navigation, Suche

bild:stahlo.jpg

Dieses fiktive Beispiel zeigt auf, wie ein Betriebsrat betriebliche Öffentlichkeitsarbeit praktisch umsetzen kann.

Inhaltsverzeichnis

Worum geht's? - Analyse

Der Betriebsrat der fiktiven Firma Stahlo GmbH ist beunruhigt: Die Struktur der Beschäftigten hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, es gibt immer weniger Gewerkschaftsmitglieder. Ein Mitglied des Betriebsrats erzählt, wie es dazu kam.



Audiobeitrag 1 (0:56 Min, 884 kb)

Hier geht es zur Textversion des ersten Audios.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft beschließen ArbeiterInnen- und Angestelltenbetriebsrat, den Beschäftigten das Thema Gewerkschaft wieder näher zu bringen und neue Mitglieder zu gewinnen.

Die BetriebsrätInnen von Stahlo wissen, welche Beschäftigten in ihrem Betrieb Gewerkschaftsmitglieder sind – insgesamt ungefähr 50 Prozent – und sie vermuten, dass mehr ältere Beschäftigte Mitglieder sind als jüngere. Für die Erstellung eines Kommunikationskonzepts reichen diese Informationen jedoch nicht aus. Bei einem ersten Planungstreffen gemeinsam mit den GewerkschafterInnen beschließen sie daher zunächst eine Befragung durchzuführen.

Unterstützt von einem Bekannten, der in der Meinungsforschung tätig ist, entwickelt das Team einen Fragebogen, der an alle Beschäftigten verteilt werden soll.

Die wichtigsten Themen des Fragebogens kannst du hier anschauen:

Die Befragung findet anonymisiert statt. Gefragt wird nach:

  • Problemen im Betrieb
  • Erwartungen an den Betriebsrat
  • Erwartungen an die Gewerkschaft
  • Meinung über den Betriebsrat
  • Bereitschaft sich im Betriebsrat zu engagieren
  • Meinung über die Gewerkschaft
  • Gewerkschaftsmitgliedschaft
  • Gründe für den Beitritt oder Nicht-Beitritt
  • Bereitschaft sich gewerkschaftlich zu engagieren
  • Interessen
  • Alter
  • Geschlecht
  • ArbeiterIn/AngestellteR
  • Dauer der Tätigkeit im Betrieb

Zusätzlich führen einige der Betriebsratsmitglieder eine Reihe von Gesprächen, um die Stimmung im Betrieb zu erheben. Alle diese Gespräche werden schriftlich dokumentiert.

Die Ergebnisse dieser Analysen schildert ein Mitglied des Betriebsrats:



Audiobeitrag 2 (01:13 Min, 1.13 MB)

Hier geht es zur Textversion des zweiten Audios.

Was wir wollen - Ziele

Der Betriebsrat legt ein Hauptziel der Werbeaktion fest: Über einen Zeitraum von sieben Monaten soll es gelingen, den Organisationsgrad bei den Stahlo-Beschäftigten von 50 auf 70 Prozent zu erhöhen.

Aus der Befragung der Beschäftigten ergeben sich 3 Teilziele, die zur Erreichung des Hauptziels beitragen sollen:

1. Alle Personen im Betrieb, die bisher nicht Gewerkschaftsmitglieder sind, sollen ausführliche schriftliche Informationen über die Vorteile einer Mitgliedschaft erhalten. In der Folge sollen auch mit allen diesen KollegInnen persönliche Gespräche geführt werden.

Kontrolle: Es werden alle Gespräche protokolliert und bei jeder Betriebsratsitzung besprochen, mit wem schon geredet wurde. Die Gesprächsprotokolle dienen außerdem als Unterstützung für weitere Gespräche.

2. Im selben Zeitraum soll das Thema „Gewerkschaft" bei den Beschäftigten von Stahlo stärker positioniert werden (in allen Medien und bei sämtlichen Aktivitäten des Betriebsrats).

3. Langjährige Gewerkschaftsmitglieder sollen als MultiplikatorInnen für die Kampagne gewonnen werden:



Audiobeitrag 3 (0:18 Min, 290 kb)

Hier geht es zur Textversion des dritten Audios.

Wen wir ansprechen - Zielgruppen

Die Zielgruppen legt der Betriebsrat passend zu den drei Teilzielen fest:

  • Ziel 1:

Alle Beschäftigten, die (noch) keine Gewerkschaftsmitglieder sind.

  • Ziel 2:

Da der Betriebsrat von Stahlo nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat, definiert er diese Zielgruppe so: Alle Beschäftigten (Mitglieder und Nichtmitglieder) bei Stahlo, die noch wenig Kontakt mit Betriebsrat und Gewerkschaft hatten. Einen besonderen Schwerpunkt sollen dabei die Beschäftigten bilden, die neu bei Stahlo anfangen.

  • Ziel 3:

Menschen, die schon einige Zeit bei Stahlo arbeiten, langjährige Gewerkschaftsmitglieder sind und dem Betriebsrat nahe stehen.

Kommunikationsmittel

Für die weitere Vorgehensweise werden schließlich folgende Schritte festgelegt:

  • Ein befreundeter Grafiker entwickelt ein eigenes Logo für die Werbeaktion, das in den nächsten Monaten auf allen Medien des Betriebsrats abgedruckt wird.
  • Als zusätzlichen Anreiz, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, wird ein Preisausschreiben veranstaltet.
  • Alle MitarbeiterInnen werden mit Flugblättern schriftlich über die Vorteile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft informiert.
  • Der Betriebsrat von Stahlo gibt viermal pro Jahr eine 4-seitige Zeitung heraus, die von den Beschäftigten gut angenommen wird. In den folgenden 3 Ausgaben soll dem Thema „Gewerkschaft" der Hauptartikel gewidmet werden.
  • In den Pausenräumen hat der Betriebsrat jeweils ein Info-Brett, das ebenfalls für Informationen über die Gewerkschaft genutzt werden soll.
  • Für die neuen Beschäftigten soll ein Willkommens-Info-Paket über die Arbeit des Betriebsratsteams zusammengestellt werden. Dieses wird in Zukunft auch Informationen über die Gewerkschaft enthalten.

Das Preisausschreiben läuft folgendermaßen ab:

  • Für das Preisausschreiben werden eigene Teilnahmekarten gedruckt. Auf der Vorderseite der Karten ist das Logo der Werbeaktion zu sehen.
  • Die Karte lässt sich in 4 Puzzleteile zerlegen. Jeder Puzzleteil hat auf der Rückseite Platz, auf dem jeweils ein Vorteil der Gewerkschaftsmitgliedschaft eingetragen werden muss.
  • Um sowohl Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder für das Gewinnspiel zu interessieren und diese beiden Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen, werden die Puzzleteile einzeln an die Beschäftigten verteilt. Für die Teilnahme am Gewinnspiel müssen sich je zwei Mitglieder und zwei Nicht-Mitglieder zusammen finden, die gemeinsam ein komplettes Puzzle und 4 Vorteile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft abliefern.
  • Die vier GewinnerInnen erhalten je ein Wochenende in einem Wellness-Hotel, in dem der Betriebsrat Sonderkonditionen bekommt.

Dem Betriebsratsteam ist klar, dass Menschen nicht wegen eines Gewinnspiels oder eines Artikels in der Zeitung der Gewerkschaft beitreten. Die persönlichen Gespräche mit den einzelnen Beschäftigten sind das wichtigste Mittel der Mitglieder-Gewinnung.

Da die Ressourcen des Betriebsrats jedoch begrenzt sind und viele Mitglieder des Betriebsratsteams keine Erfahrungen mit Werbegesprächen haben, sollen in der ersten Runde die Gespräche zunächst mit jener Gruppe von Nichtmitgliedern geführt werden, die dem Thema „Gewerkschaft" bereits offen gegenüber stehen. Erst in der zweiten Runde – nach einer ersten Evaluierung – sollen die Gespräche dann auf alle Beschäftigten ausgedehnt werden. Die Ergebnisse der MitarbeiterInnenbefragung geben den WerberInnen Anknüpfungspunkte für die Gespräche.

Wie die Gespräche organisiert werden, erzählt ein Mitglied des Betriebsrats:



Audiobeitrag 4 (0:41 Min, 651 kb)

Hier geht es zur Textversion des vierten Audios.

Nach 7 Monaten wird die Mitgliederwerbeaktion mit einem großen Fest beendet:

  • Dabei erhalten alle beteiligten WerberInnen ein offizielles Dankeschön und einen Gutschein für ein Abendessen.
  • Außerdem werden die GewinnerInnen des Preisausschreibens ausgelost.
  • Die neugeworbenen Gewerkschaftsmitglieder werden bei diesem Fest willkommen geheißen.
  • Die Einladung zum Abschlussfest soll wieder als Flugblatt an alle Beschäftigten gehen.

Für einen besseren Überblick erstellt der Betriebsrat eine Tabelle, die den Einsatz der Kommunikationsmittel zeigt. Die Tabelle ist als Multiple-Choice-Test hier abgebildet. Mit den bisherigen Informationen aus dem Text und den Erzählungen der Betriebsrätin solltest du sie leicht ausfüllen können.

Bitte markiere zu jeder Zielgruppe diejenigen Kommunikationsmittel, mit denen diese Gruppe gut zu erreichen ist. Dazu klickst du einfach in das Feld, das du markieren möchtest. Wenn du alle gewünschten Felder markiert hast, klicke auf "Auswertung". Hier geht's zur Tabelle Kommunikationsmittel!

Zur optimalen Darstellung von Flash benötigst Du einen Flashplayer. Ein kostenfreier Download ist unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer möglich.
Hier gibt es das Ergebnis noch einmal in Textform.

Wichtig ist es auch, die Kommunikationsmittel zeitlich aufeinander abzustimmen. Den Zeitplan des Betriebsratsteams von Stahlo zeigt die folgende Tabelle: Bitte fahre mit der Maus über die roten Dreiecke, um die Zusatzinformationen zu lesen. Hier geht's zur Tabelle Zeitplan!

Zur optimalen Darstellung von Flash benötigst Du einen Flashplayer. Ein kostenfreier Download ist unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer möglich.
Hier gibt es das Ergebnis noch einmal in Textform.

Finanzierung

Da es bei der Kampagne der Stahlo-BetriebsrätInnen um Mitgliedergewinnung geht, bekommen die BetriebsrätInnen finanzielle Unterstützung von der Gewerkschaft.

  • Die Gewerkschaft finanziert das Gewinnspiel und stellt Info-Materialien über die Vorteile einer Gewerkschafts-Mitgliedschaft zur Verfügung.
  • Das Seminar für die WerberInnen finanziert der VÖGB: www.voegb.at.
  • Die Flugblätter können die BetriebsrätInnen am firmeneigenen Kopierer vervielfältigen.

Weil der Hauptteil der Werbung im persönlichen Gespräch passiert, müssen die Betriebsratsmitglieder aber viel Zeit für die Werbeaktion aufwenden.

Als Beispiele für die Umsetzung siehst du hier das Logo der Werbeaktion ...


und die Vorderseite der zerlegten Gewinnkarte vom Preisausschreiben.


Kontrolle

Mit dem Abschlussfest soll kein Schlusspunkt unter das Thema „Gewerkschafts-Mitgliedschaft" gesetzt werden. Die Stahlo-BetriebsrätInnen wollen nach dem Fest vielmehr eine erste Bilanz ziehen und überprüfen, ob es ihnen gelungen ist, ihr Hauptziel zu erreichen, die Steigerung des Organisationsgrades von 50 auf 70 Prozent.



Audiobeitrag 5 (0:23 Min, 365 kb)

Hier geht es zur Textversion des fünften Audios.


Persönliche Werkzeuge