Beziehungsmarketing
Aus WIGBIT
In der Verkaufsliteratur ist oft zu lesen, dass es nicht selten vorkommt, dass sich ein/e VerkäuferIn trotz objektiv schlechterer Konditionen gegen die Konkurrenz durchsetzen kann, einfach nur „weil die Chemie zwischen den VerhandlungspartnerInnen stimmt“.
Die Vertrauensbasis zwischen Betriebsrat und der Belegschaft ist jene Zutat, die den Rest des „Werbeprozederes“ überhaupt erst ermöglicht.
Marketingexperte Seth Godin hat zwei Methoden ausgemacht, wie sich Männer bei der Suche nach einer Partnerin verhalten:
Interruption Marketing
Bei der ersten Methode kleidet sich der Single der Mode entsprechend neu ein, entwirft im Gedächtnis ein konkretes Bild seiner zukünftigen Partnerin und versucht diese in einer demografisch günstigen Single-Bar zu finden. Er spricht alle potenziellen Frauen an und macht gleich einen Heiratsantrag. Falls es nicht klappt, geht er sofort zur nächsten und versucht sein Glück von neuem.
Permission Marketing
Michael Vlastos (Kommunikations-Experte) über die für die Betriebsratsarbeit relevantere Methode:zum Audiobeitrag Marketingmethoden (0:42, 1.64 MB)
Die zweite Methode ist vielleicht die geschicktere und dürfte den meisten Menschen vertrauter sein: Zuerst lernt man sich Schritt für Schritt kennen. Erst wenn die Beziehung zu etwas Festerem geworden ist, versucht man, den Heiratsantrag zu stellen. Eine Beziehung kann dauerhaft nur funktionieren, wenn die manipulativen Elemente nicht überwiegen. Tarnen, tricksen, täuschen und „über den Tisch“ ziehen, ist das falsche Verständnis von Werbung. Zusammenarbeit und Erfolge auf lange Sicht – darauf kommt es an. Wer sein Gemüse heute verkaufen muss, weil es nicht bis morgen halten wird, muss eben laut werden, heißt es. Ein/e PartnerIn, dem/der man auch morgen mit Recht vertrauen kann, arbeitet anders. In jede einzelne Beziehung zu den Menschen muss zunächst viel Mühe investiert werden, bevor diese Investition langfristig Erträge abwirft. Wer ernten will, muss vorher säen und anschließend die Saat entsprechend pflegen, sagt eine bekannte Metapher. Genauso lassen sich auch Mitgliederbeziehungen pflegen. Ein Jäger sieht seine Beute, zielt und drückt ab. Ein Bauer bereitet zunächst den Boden, sät dann, und beobachtet geduldig und pflegend das Keimen der Saat.
Betriebsräte und Betriebsrätinnen, die Menschen für ihre Sache gewinnen wollen, sollen weitestgehend BeziehungsmanagerInnen sein und Beziehungsmarketing betreiben.
Das persönliche Verhältnis und der intensive Kontakt zu den Menschen sind wohl die wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine vertrauensvolle Beziehung. Wirkungsvolles Beziehungsmanagement geht aber weit darüber hinaus: Beziehungsmanagement bedeutet, Beziehung aktiv und mit System zu gestalten – und nicht dem Zufall zu überlassen.
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