Fiktive Fallbeispiele von Mobbing

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Inhaltsverzeichnis

Fallbeispiel 1 - Habe ich etwas falsch gemacht?

Anna arbeitet in einer großen Firma. Bisher wurde sie immer gefragt, ob sie mit zum Mittagessen in die Kantine käme. Irgendwann gingen ihre Kollegen und Kolleginnen plötzlich alleine essen, ohne sie mitzunehmen. Das erste Mal machte sich Anna keine Gedanken und überging dies.

Doch auch in den Tagen und Wochen darauf verschwanden die anderen sang- und klanglos in die Mittagspause und schlossen Anna aus ihren gemeinsamen Unternehmungen aus. Wenn sie ins Zimmer kam, wurde plötzlich geschwiegen. Sie fragte sich: Was haben sie nur? Habe ich irgendetwas falsch gemacht?

Der Psychoterror wurde immer schlimmer; nicht nur dass die Kollegen und Kolleginnen kein einziges Wort mehr mit ihr wechselten, sie begannen auch hinter ihrem Rücken zu tuscheln und Unwahrheiten zu verbreiten. Anna hielt den Druck nicht mehr aus, sie leidet an Schlafstörungen und Depressionen und wurde immer gereizter.

Schließlich bat Anna um Versetzung in eine andere Abteilung. In der neuen Abteilung war die Situation wesentlich besser: Die Kollegen kannten Anna nicht, und sie integrierte sich vollständig in die neue Gruppe.

Fallbeispiel 2 - Einfach abgeschoben

Guido nimmt seine Arbeit als Sachbearbeiter auf und arbeitet sich in sein neues Aufgabengebiet ein. Zum Team zählen Guido, zwei Kolleginnen, zwei Kollegen und die Ressortleiterin. Guido ist sechs Monate im Unternehmen, als ihm eine Arbeit mit der Begründung weggenommen wurde, dass er unsachgemäße Dinge geschrieben hätte, was dem Ansehen der Firma geschadet hätte. Hinter seinem Rücken beginnen die Kollegen und Kolleginnen zu tuscheln.

Die Angriffe, denen er ausgesetzt ist, sind oft subtil, manchmal direkt und verschärfen sich. Immer öfters fallen abwertende Bemerkungen gegenüber Guido. Entscheidende Verhandlungen finden ohne Guido statt und seine Vorlagen werden von der Ressortleiterin nicht mehr entgegengenommen.

Guido leidet unter Depressionen und erkrankt. Nach einer längeren Erkrankung und einem anschließenden Urlaub kehrt Guido an seinem Arbeitsplatz zurück. Hier erfährt er, dass man ihn während seines Urlaubs in eine andere Abteilung versetzt hat. Guido hatte Glück: In der neuen Abteilung fühlte er sich wohler, hier herrschte ein angenehmes Betriebsklima.

Fallbeispiel 3 - Was willst du denn hier?

Beate arbeitet seit ca. 20 Jahren in einer Medienagentur. Nachdem sie 15 Jahre lang in ein und demselben Betreib gearbeitet hat, wechselt sie die Abteilung. In der neuen Abteilung, die nur mit Kollegen besetzt ist, wird sie von Beginn an mit verbalen Angriffen konfrontiert. Ihre Kollegen machen immer wieder abfällige Bemerkungen über Frauen und dann sogar Sticheleien gegen sie persönlich.

Nach einem halben Jahr wird Beate völlig isoliert: ihre Kollegen reden fast überhaupt nicht mehr mit ihr, einzige Ausnahme sind dienstliche Gespräche. Für Beate eine sehr bedrückende Situation. Beate findet innerhalb ihrer Abteilung keine Person, der sie vertrauen kann.

Schließlich wendet sie sich an den Betriebsrat. Der Betriebsrat wendet sich an den Abteilungsleiter und die Kollegen. Ein Supervisor wird eingesetzt, der Beate dabei unterstützt, mit der Mobbinghandlung fertig zu werden. Nach mehreren Sitzungen ist Beate bereit, wieder in die Abteilung zurückzukehren. Zudem hat man eine weitere Kollegin in die Abteilung aufgenommen. Das Arbeitsklima ist seitdem wesentlich besser geworden, die Kollegen unterlassen jegliche frauenfeindliche Bemerkungen und auch der Abteilungsleiter nimmt seine Fürsorgepflicht stärker wahr.

Fallbeispiel 4 - Der Fall Peter

Peter ist über 50 und Erzieher. Seit einiger Zeit bemerkt er, wie sehr ihn seine Chefin vor den anderen Kollegen entwertet: Er könne nichts, er solle den Beruf wechseln.

Durch diese ständige Belastung zeigten sich bei Peter depressive Zustände, die mit der Zeit so schlimm werden, dass er de facto arbeitsunfähig ist, kaum mehr den Willen findet, morgens aufzustehen, keinen Sinn in seiner Arbeit und seinem Leben mehr sieht und schlussendlich auch Selbstmordgedanken hegt. Peter ist monatelang im Krankenstand, dazwischen ist er regelmäßig in Therapie, um diese schweren Zeiten irgendwie meistern zu können.

Als seine Chefin in der Firma aufstieg, änderte sich die Situation, mit seinem neuen Chef lief es besser. In Summe litt Peter fast drei Jahre unter dieser Art des Mobbings. Die Psychotherapie half, indem sie ihn durch diese schwere Zeit begleitete und hinwegtröstete.

Fallbeispiel 5 - Außenseiter sind unbeliebt

Hubert ist nicht sehr beliebt im Betrieb, er ist ein Außenseiter und hat so seine "Macken". Einige in der Firma können ihn deshalb nicht leiden.

Schließlich schwappt diese Stimmung auf die ganze Belegschaft über: Wenn Hubert morgens bei der Tür hereinkommt, schweigen alle. Niemand will Kontakt zu ihm haben. Er wird von wichtigen Informationen abgeschnitten, er muss entwertende Äußerungen hinnehmen, die Kollegen "vernadern" ihn beim Chef.

Mehrmals fragt Hubert seine Kollegen was los ist, aber immer erhält er nur dieselbe Antwort: "Nichts!". Hubert kann nicht mehr schlafen, durch den psychischen Druck wird er immer öfters krank.

Er wendet sich an eine Psychotherapeutin und an seinen Betriebsrat. Der Betriebsrat wendet sich an die Kollegen und Kolleginnen und erklärt ihnen die Situation mit Hubert. In diesem Gespräch wird klar, warum Hubert nicht so beliebt im Betrieb ist. Mit Hilfe von einem Supervisor erarbeitet Hubert seine Situation und arbeitet auch gleichzeitig an sich. Er versucht, sich seiner "Macken" bewusst zu werden.

Nach mehreren Sitzungen beginnt Hubert wieder in der Abteilung zu arbeiten. Die Kollegen und Kolleginnen benehmen sich ihm gegenüber sehr offen und Konflikte werden seitdem offen angesprochen.


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