Gesammelte Einwände

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Inhaltsverzeichnis

Individualismus

„Ich regle mir alles selbst“, „Ich setze mich alleine durch“

„Selbstbewusstes Auftreten gegenüber dem Chef begrüßen wir. Selbstbewusste Beschäftigte werden aber noch stärker durch gewerkschaftliche Unterstützung. Die Gewerkschaft kann Forderungen mit mehr Druck vertreten und im Konflikt mit dem Chef auf Seiten der Beschäftigten eingreifen“.

„Mein Job ist sicher.“

„Es ist toll, dass es noch sichere Arbeitsplätze gibt. Aber die Gewerkschaft hilft nicht nur im schlimmsten Fall, der Kündigung, sondern bei Problemen aller Art: Versetzungen in andere Abteilungen, 
neue vertraglich nicht vereinbarte Aufgaben, Lohnstreitigkeiten, Urlaubsansprüche etc.“

Gesellschaft im Wandel

„Globalisierung 
macht Gewerkschaften überflüssig.“

„Die Globalisierung ist real. Aber auch sie muss sozial gestaltet werden und nicht dem reinen Markt überlassen werden. Globalisierung gefährdet geregelte Arbeitszeiten, ArbeitnehmerInnenrechte und gesicherte Einkommen. Die Gewerkschaften treten auch international dagegen auf. Natürlich schreitet die Internationalisierung der Gewerkschaften noch langsamer voran als die Internationalisierung der Geld – und Warenmärkte.
Kein Wunder, denn schließlich handelt es sich um Menschen und nicht um seelenloses Kapital“.

„Die Gewerkschaften haben 
die Entwicklung verschlafen“'

"Vielleicht finden wir manchmal nicht den richtigen Ton oder setzen zu wenig auf Transparenz und Offenheit. Wir haben aber schon lange verstanden, dass wir vor neuen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen und neue Konzepte her müssen. Auf die Ausweitung der atypischen Beschäftigungsverhältnisse haben wir z.B. mit der Flexpower-Versicherung reagiert. Um noch schlagkräftiger auftreten zu können, haben sich viele der ehemaligen 13 Einzelgewerkschaften zusammengeschlossen, wie z.B. die GdE mit der HGPD und der HTV, GPA und DJP“.

„Eure Ideen sind veraltet. Ihr geht nicht mit der Zeit."'

„Wohl keine Bewegung von der Größe der Gewerkschaften hat sich im letzten Jahrzehnt so gewandelt wie wir.“
"Die große Frage der Gleichstellung von Mann und Frau haben wir beispielhaft vorangetrieben. Es gibt nicht viele Großorganisationen, in denen die Frauenförderung so groß geschrieben wird und eine Quote die Gleichberechtigung festschreibt.“
„Zugegeben, manchmal knirscht es auch bei uns. Nicht immer finden wir den richtigen Ton. Noch zu wenig setzen wir Transparenz, Offenheit und Klarheit um. Aber wir arbeiten daran.“
„Selbst im Mutterland der Globalisierung, den USA, ist die Gewerkschaftsbewegung – obwohl totgesagt – wieder auf dem steigenden Ast. Von wegen: Ende der Gewerkschaft.“

„Der ÖGB ruiniert mit seinen Forderungen die Wirtschaft.“

„Nicht nur die Wirtschaft und die Konzerne sollen profitieren, sondern auch die ArbeitnehmerInnen sollen einen Teil des Kuchens erhalten.“
„Österreich ist ein „Produktivitätsweltmeister“, die effektive Besteuerung der Unternehmen liegt weit unter dem EU-Schnitt. Die Vermögensteuer, die in vielen europäischen Ländern Realität ist, ist längst abgeschafft. Während UnternehmerInnen immer weiter entlastet werden, zahlen die ArbeitnehmerInnen den Preis für das verminderte Steueraufkommen: Pensionsreform, Änderungen im Urlaubsrecht usw.“

Die ArbeitgeberInnen sind eh stärker!

„Die Gewerkschaft hat keine Macht, Arbeitsplätze zu sichern.“

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."
"Es stimmt, dass ArbeitgeberInnen oft Forderungen durchsetzen, die auf längere Arbeitszeiten, Flexibilisierung und Lohnkürzungen hinauslaufen. Es ist aber auch ein Erfolg, das Erreichte zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten. Und wie sähe die Wirklichkeit in Betrieb und Gesellschaft aus, wenn die Gewerkschaft deutlich schwächer wäre?
Ob es zu Entlassungen und Arbeitsplatzabbau kommt, darüber entscheidet das Kräfteverhältnis. Und das hängt von der Stärke der Gewerkschaft ab. Wir tun unser bestes, neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu erhalten. Starke Gewerkschaften sind die Voraussetzung dafür, dass die Arbeitsplätze sicherer werden“.

„Bei den wichtigsten Fragen passiert doch nichts.“

„Es stimmt, dass wir uns auf Grund der realen Kräfteverhältnisse als GewerkschafterInnen nicht bei allen wichtigen Fragen durchsetzen. Gewerkschaften können z.B. keine Arbeitsplätze garantieren. Aber sie sind die Voraussetzung dafür, dass Arbeitsplätze sicherer werden. Tagtäglich schließen die Gewerkschaften Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen ab, um drohende Entlassungen zu verhindern oder Beschäftigungsabbau zumindest sozialer zu gestalten.“
„Was wäre, in Zeiten wie heute wohl los, wenn die Gewerkschaften schwächer wären? Wie sähe dann die Wirklichkeit in Betrieb und Gesellschaft aus?“


Die Kollektivvertragspolitik

„KV-Politik, 
die bringt's nicht“, „Ihr holt zu wenig raus.“

„Es tut mir leid, wenn du diesen Eindruck gewonnen hast. Was sollte deiner Meinung nach anders gemacht werden?“
„Es stimmt, dass wir manchmal nicht so viel „rausholen“ wie wir gerne hätten. Über das, was am Ende bei einer Verhandlungsrunde rausschaut, entscheidet das Kräfteverhältnis. Herrscht Vollbeschäftigung, sind die Auftragsbücher der Arbeitgeber und der Staatshaushalt gefüllt, so kann eine Gewerkschaft anders agieren als im umgekehrten Fall. Wie die Arbeitgeber auch, so müssen auch wir am Ende einem Kompromiss zustimmen. Und der liegt oft deutlich über dem, was die Arbeitgeber zu Beginn allerhöchstens angeboten haben“.

„Ihr macht keinen Dampf.“

„Je mehr Mitglieder hinter uns stehen, desto mehr können wir herausholen. Und das, was viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen heute für selbstverständlich halten, haben Gewerkschaften durchgesetzt. Und praktisch alles Erreichte muss heute verteidigt werden“.

„Ihr verbündet euch mit den Arbeitgebern.“

„Auch nach Demonstrationen, Warnstreiks und Streiks muss man am Ende einem Kompromiss zustimmen. Realpolitik heißt, dass wir viele unsoziale Forderungen abblocken können, aber nicht alle. Viele ursprünglich vorgesehene (und zum Teil auch bereits in Kraft getretene) Bestimmungen der Pensionsreformen 2003 und 2004 wurden etwa durch die massive Mobilisierung der Gewerkschaft zurückgenommen“.

„Ihr seid nicht kämpferisch genug.“ - „Kollektivvertragsleistungen erhalte ich auch ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft“

„Je stärker die Solidargemeinschaft der Gewerkschaftsmitglieder ist, desto höher fallen die Erfolge der Verhandlungen aus. Branchen mit hohem Organisationsgrad holen mehr heraus als weniger organisierte Branchen. Und umso mehr ArbeitnehmerInnen die Leistungen konsumieren ohne Mitglied zu sein, desto geringer werden die Leistungen letztendlich ausfallen“.


Persönliche Befürchtungen

„…die Mitgliedschaft schadet mir.“ - „Wenn ich Mitglied werde, stehe ich auf der Abschussliste.“ - „Mein Arbeitsplatz ist mir wichtiger.“ - „Ich möchte beruflich weiterkommen.“ - Eine Mitgliedschaft würde meiner Karriere schaden.“

„Es gibt sicherlich Chefs, die sich wie Götter aufspielen und selbst vor groben Missachtungen gesetzlicher Regelungen nicht halt machen. Aber nur wer organisiert ist, kann sich erfolgreich gegen die Willkür des Chefs zur Wehr setzen. Im Streitfall ist die Gewerkschaft der Anwalt ihrer Mitglieder. Für Mitglieder setzen wir kostenlos die Ansprüche auch vor Gericht durch.“
„Es ist verständlich, dass jeder im Beruf etwas erreichen möchte und vorwärts kommen möchte. Leute in leitender Funktion haben eine besondere Verantwortung, aber ihr Arbeitsplatz ist auch besonders gefährdet. Es ist übrigens eine Tatsache, dass Nichtorganisierte keine besseren Aufstiegschancen haben als organisierte“.

„..nur, wenn die anderen auch eintreten…“ - „…ich wäre in unserer Abteilung/Firma der/die Einzige.“

„Es ist nie leicht, den ersten Schritt zu tun. Aber immer, wenn sich etwas bewegt hat, gab es einen Ersten oder eine Erste, der/die bereit war, etwas zu tun, wozu andere (noch) nicht bereit waren/sind. Wenn man den Beitritt nur von anderen abhängig macht, baut man sich selber Hürden auf und macht sich klein. Wenn man etwas richtig findet, sollte man auch dazu stehen.“

„…ich bin in der Probezeit“ - „Ich bin neu hier/muss mich erst noch einarbeiten.“

„Von der Mitgliedschaft in der Gewerkschaft muss der Arbeitgeber weder in der Probezeit noch nachher etwas erfahren. Eine Kündigung vor Ablauf der Probezeit können wir zwar in der Regel nicht verhindern, aber auch in der Probezeit und als neuer Mitarbeiter ist man ein vollwertiger Arbeitnehmer mit allen Rechten und Pflichten und hat auch die volle Unterstützung der Gewerkschaft. Und da sollte niemand auf Beratung und Hilfe verzichten“.


Preis

„Der Preis ist zu hoch“

„Zu hoch im Verhältnis zu was? Der Preis alleine sagt nichts über ein Produkt aus, entscheidend ist, was man als Gegenleistung dafür erhält“.

„Was geschieht 
mit den Mitgliedsbeiträgen?“

„Wir sind auf die Mitgliedsbeiträge zur Finanzierung unserer Aufgaben angewiesen, damit wir nicht unsere Unabhängigkeit einbüßen. Der Beitrag beträgt 1% vom Bruttoeinkommen. Wer mehr verdient, zahlt mehr. Mit den Bei trägen werden alle Aufgaben finanziert: KV-Verhandlungen, Beratung, Bildungsangebote, Rechtsschutz und Gerichtskosten. Allein die Ergebnisse der KV-Verhandlungen bringen den Mitgliedsbeitrag wieder herein. Außerdem bekommst du für den Beitrag eine Reihe von Leistungen, für die du anderswo viel mehr zahlen müsstest“.
„Der Mitgliedsbeitrag ist übrigens steuerlich absetzbar. Außerdem gibt es billigere Sondervereinbarungen für Lehrlinge, Studierende, Arbeitslose etc.“
„Mit dem Beitrag finanzieren wir nicht nur Arbeitskämpfe/den Rechtsschutz, sondern alle Aufgabenbereiche: Kollektivvertragsverhandlungen (KV-Verhandlungen), Beratung, Bildungsangebote, Unfallversicherung etc. Streiks sind kein Selbstzweck, sondern werden nur im äußersten Notfall in Erwägung gezogen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden“.
„Die Verwendung der Mitgliedsbeiträge ist einer strengen Kontrolle unterworfen, es gibt einmal jährlich eine Aufstellung in der Zeitschrift „Solidarität“ über die Ausgaben:
Berufsrechtsschutz, 
Berufshaftpflichtversicherung
Extra Unterstützung für arbeitslose Mitglieder, Freizeit- und Unfallversicherung, Spitalstagegeld
Schulungstätigkeit, Werbung, Grundlagen- und Informationsarbeit
Kostenlose Rechtsberatung
Hilfe für atypisch Beschäftigte und Mobbing-Betroffene
Die höchsten Ausgaben fallen auf den Personalaufwand, gefolgt von Organisations- und Bildungsarbeit, Verwaltung, Presse und Information“

„Rechtsschutz kann ich mir auch privat besorgen.“

„Gewerkschaftliche Beratung und Rechtsschutzversicherung funktioniert anders als z.B. bei der Allianz …"
„Gewerkschaftliche Beratung hilft auch weiter bei Problemen in verschiedenen sozialen Lebenslagen, z.B. bei der Lohnsteuer, bei Mieterproblemen, mit Tipps für örtliche Netzwerke etc.“
„Rechtsanwälte können keine Auskünfte zu Kollektivverträgen geben; darin besteht aber die Masse der Probleme!“
„Der ÖGB ist erfolgreicher als einzelne Rechtsanwälte, weil das Interesse der Rechtsanwälte bei niedrigerem Streitwert eher begrenzt ist …“
„Anwälte helfen nur, wenn bereits was passiert ist – die Gewerkschaft berät auch vorher, damit erst gar nicht was passiert; z.B. bei Mobbing“.
„Beispiel Adelheid Pospischil: Die Rechtsschutzversicherung half nur bis zur zweiten Instanz – dann war Schluss! Die Gewerkschaft wäre weitergegangen!“


Betriebsrat

„Die Interessenvertretung durch BR/PV reicht mir“

„Der Betriebsrat ist sehr wichtig. Er ist der verlängerte Arm der Gewerkschaft. Eine auf sich allein gestellte betriebliche Interessenvertretung greift zu kurz. Effektiver ist es, wenn gewerkschaftliche und betriebliche Interessenvertretungsorgane Hand in Hand arbeiten und sich gegenseitig stärken. Nur eine betriebsübergreifende Gewerkschaft kann Kollektivverträge durchsetzen und eine umfassende Weiterbildung der BetriebsrätInnen sicherstellen. Nur so können diese ihre Aufgaben optimal wahrnehmen“.

"Der Betriebsrat macht nichts/arbeitet nicht für die Belegschaft."

„Erzähl uns, was da gelaufen ist in euren Betrieb. Ich verstehe deinen Ärger und bin dankbar, dass du uns darüber informierst. Aber ich möchte dich bitten, deinen Betriebsrat nicht mit der Gewerkschaft in einen Topf zu werfen. Wir als Gewerkschaft sind nicht immer über alle Vorkommnisse in den Betrieben informiert. Wir werden uns aber gerne dieser Sache annehmen und, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, auch mit dem Betriebsrat ein ernstes Wort sprechen“.

AK - ÖGB

„Wozu ÖGB? 
Ich bin ja ohnehin Mitglied der AK?“

„Ein erfolgreiches Zusammenwirken von freiwilliger und gesetzlicher (AK) Interessenvertretung verstärkt das Gewicht gegenüber Regierung und Verhandlungspartnern in der Wirtschaft. Während auch die Arbeiterkammer Beratung und Rechtsschutz gewährt, hat nur der ÖGB die Verbindung zur Betriebsarbeit und kann nur die Gewerkschaft Kollektivverträge und Löhne ausverhandeln. Besondere Aufgaben der AK sind u.a. die Begutachtung von Gesetzen und wissenschaftliche Grundsatzarbeit.“

„Eure Rechtberatung ist schlecht/die AK berät viel besser.“

„Ich bedaure es, dass du diesen Eindruck gewonnen hast. Was sollten wir deiner Meinung nach besser machen? Ich werde mit dem/der Verantwortlichen sprechen“.



Persönliche Werkzeuge