Gewinn- und Verlustrechnung
Aus WIGBIT
Dieses Kapitel beschreibt
- die Grundstruktur der Gewinn- und Verlustrechnung sowie
- die Erträge, Aufwendungen und Erfolge
- mit einfachen Kennzahlen
- und wichtigen Hinweisen für deine Betriebstätigkeit
Inhaltsverzeichnis |
Die Grundstruktur einer Gewinn- und Verlustrechnung
Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ist neben der Bilanz der zweite Bestandteil des Jahresabschlusses. Der Hauptzweck liegt in der Ermittlung des Erfolges (Gewinn bzw. Verlust) eines Geschäftsjahres und in der Darstellung der Ertragslage.
Erfolg ist allgemein die Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen. Sind die Erträge höher als die Aufwendungen, spricht man von Gewinn. Im umgekehrten Fall von Verlust.
Die Gewinn- und Verlustrechnung gibt weiters über die Art und Höhe der Aufwendungen und Erträge Auskunft.
| Ertrag | Aufwand |
|---|---|
| Unter Ertrag versteht man den Wertezugang. | Unter Aufwand versteht man den Verbrauch von Gütern/Leistungen. |
Beispiele:
| Beispiele:
|
In der GuV werden die Erträge und Aufwendungen untereinander angeordnet, wobei sachlich zusammengehörige Erträge und Aufwendungen zusammengefasst werden. Folgende Zwischensummen werden gebildet:
- Betriebserfolg (EBIT)
- Finanzerfolg
- Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)
- außerordentliches Ergebnis.
Werden sämtliche Erträge und Aufwendungen saldiert, erhält man den Jahresüberschuss bzw -fehlbetrag, welcher den Gesamterfolg eines Jahres abbildet. Durch die Zusammenfassung verwandter Posten ist eine Strukturierung des Erfolges nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich.
Erträge
Umsatzerlöse
Diese sind die Erträge aus dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen.
Sonstige betriebliche Erträge
Dazu zählen etwa Erträge aus Anlagenverkäufen, Rückstellungsauflösungen oder diverse andere Erträge (z. B. Mieterträge).
Zinserträge
Sie resultieren aus Bankguthaben und aus der Veranlagung in Wertpapieren.
Wertpapier- und Beteiligungserträge
Dazu gehören Erträge aus dem Wertpapierverkauf als auch Erträge, die das Unternehmen aus Dividendenausschüttungen von Tochtergesellschaften erhält.
Außerordentliche Erträge
Das sind Erträge, die aus einer Änderung des laufenden Betriebes resultieren oder nicht unmittelbar mit der eigentlichen Unternehmenstätigkeit verbunden sind, z. B. einmalige Zuschüsse.
Aufwendungen
Materialaufwand und Aufwand für bezogene Leistungen
Im Materialaufwand wird der im Rahmen des Produktions- bzw. Dienstleistungsprozesses benötigte Materialverbrauch bzw. Materialeinsatz verrechnet. Bezogene Leistungen sind Fremdleistungen von Dritten, die ähnlich wie der Materialverbrauch in den Produktionsprozess einfließen, z. B. Materialbearbeitung sowie Leihpersonal.
Personalaufwand
Der Personalaufwand umfasst
- die laufenden Lohn- und Gehaltszahlungen (einschließlich Sonderzahlungen, Zulagen, Prämien, Jubiläumszahlungen und Überstunden)
- Abfertigungen
- Pensionszahlungen
- Lohnnebenkosten (z. B. Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und gehaltsabhängige Abgaben)
- sonstige soziale Aufwendungen (z. B. Beihilfen, Betriebsveranstaltungen)
- Geschäftsführungs- bzw. Vorstandsbezüge.
Im Personalaufwand wird nur "eigenes" Personal verrechnet, nicht jedoch Zeitarbeitskräfte, WerkvertragsnehmerInnen, freie DienstnehmerInnen oder z. B. Beratungsleistungen.
Sonstige Betriebsaufwendungen
Hier werden alle sonstigen Betriebsaufwendungen verbucht, die zur Erbringung der Leistung bzw. zur Produktion noch notwendig sind und die in der Regel von außen bezogen werden (z. B. Transportkosten, Beratungsaufwand, Miete, Telefon, Energie etc.).
Abschreibungen
Abschreibungen sind Wertminderungen des Vermögens (etwa durch Gebrauch oder auch schon alleine durch Veralterung).
Grundlage für den Ansatz von Vermögensgegenständen in der Bilanz sind die Anschaffungskosten. Die Alterung bzw der Verschleiß der Anlagen mindert den Anlagenwert. Diese Wertminderung wird durch die jährliche Abschreibung abgebildet. Die Höhe des Abschreibungsbetrages errechnet sich, indem die Anschaffungskosten durch die Anzahl der Jahre (Nutzungsdauer) dividiert wird, in denen das Anlagegut erfahrungsgemäß verwendet wird. Die Nutzungsdauer ist im Wesentlichen durch die Steuerbehörden festgelegt.
| Musterbeispiel |
Aktuelles Jahr |
| Anschaffungskosten / Nutzungsdauer |
20 / 5 |
| = jährliche Abschreibung | = 4 |
|---|
Für einen PKW mit Anschaffungskosten von 20.000 € und einer Nutzung im Unternehmen über 5 Jahre errechnet sich eine jährliche Abschreibung von 4.000 €. D. h. der PKW steht zu Beginn mit 20.000 € in der Bilanz. Nach Ende des ersten Jahres wird der PKW um den Abschreibungsbetrag von 4.000 € wertberichtigt und steht nur mehr mit 16.000 € in der Bilanz. Die Abschreibung erfolgt während der gesamten Nutzungsdauer bis letztendlich der PKW auf 0 € abgeschrieben ist. In der Gewinn- und Verlustrechnung wird die Abschreibung als Aufwand in der Höhe von 4.000 € ausgewiesen.
Zinsaufwand
Zinsen müssen z. B. für Kredite bezahlt werden.
Wertpapier- und Beteiligungsaufwand
Dazu gehört die Abschreibung (Wertminderung) von Wertpapieren oder Beteiligungen. Die Abschreibung wird z. B. durch Kursverluste von Wertpapieren oder Verluste bei den Tochterunternehmen verursacht.
Außerordentliche Aufwendungen
Das sind Aufwendungen, die aus einer Änderung des laufenden Betriebes resultieren oder nicht unmittelbar mit der eigentlichen Unternehmenstätigkeit verbunden sind, z. B. Aufwendungen durch Betriebsstilllegung, außerplanmäßige Abschreibungen wegen außergewöhnlicher Ereignisse (Katastrophen).
Ertragssteuern
Diese fallen für erwirtschaftete Gewinne an, z. B. für Kapitalgesellschaften in Form der Körperschaftssteuer.
Gewinne und Verluste
Betriebserfolg (EBIT)
Der Betriebserfolg spiegelt das Ergebnis der "operativen" Geschäftstätigkeit wider und zeigt damit, wie gut das Unternehmen im "Stammgeschäft" wirtschaftet. Die Finanzierung sowie die Versteuerung haben keinen Einfluss auf diese Gewinngröße. Allerdings können im Betriebserfolg auch außerordentliche Erträge (z. B. Anlagenverkäufe) bzw. Aufwendungen enthalten sein. Zunehmend wird für den Betriebserfolg auch der englische Begriff EBIT (earnings before interest and tax) verwendet.
Finanzerfolg
Der Finanzerfolg beinhaltet einerseits Erträge aus Wertpapieren, Beteiligungen und Zinserträge (z. B. aus Guthaben). Andererseits werden hier auch Aufwendungen aus Wertpapieren und Beteiligungen (z. B. durch Kursverluste, Verluste von Tochterunternehmen) und Zinsaufwendungen (z. B. aus Krediten) ausgewiesen. Die Höhe des Finanzerfolges ist vor allem von der Höhe des Eigenkapitals bzw. der Schulden abhängig.
Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit besteht aus dem Betriebserfolg und dem Finanzerfolg. Die Abkürzung dafür lautet EGT.
Außerordentliches Ergebnis
Zum außerordentlichen Ergebnis gehören jene Aufwendungen und Erträge, die nicht unmittelbar mit der eigentlichen Unternehmenstätigkeit verbunden sind. Beispiele sind außergewöhnliche Ereignisse wie Katastrophen, Schadensfälle, einmalige Zuschüsse.
Jahresüberschuss/-fehlbetrag
Dieser stellt den Gesamterfolg eines Geschäftsjahres dar. Er wird durch Saldierung sämtlicher Erträge und Aufwendungen eines Jahres ermittelt. Um diesen Betrag ist das Eigenkapital des Unternehmens im Geschäftsjahr gewachsen (Gewinn) bzw. gesunken (Verlust).
Bilanzgewinn/-verlust
Dieser Betrag ist jener Teil des Jahresüberschusses, der für das laufende Geschäftsjahr maximal an die Eigentümer ausgeschüttet werden darf. Er ergibt sich aus der Korrektur des Jahresüberschusses um die Rücklagenveränderungen und dem Gewinn-/Verlustvortrag aus dem Vorjahr.
Zusammenhang von Bilanz und GuV
Die Gewinn- und Verlustrechnung ist eine Nebenrechnung zum Eigenkapital. Sie zeigt, wodurch die Veränderung des Eigenkapitals (mit Ausnahme von Kapitalerhöhungen und Gesellschafterzuschüssen) zustande gekommen ist.
Der Erfolg einer Gesellschaft kann daher auf zweifache Weise ermittelt werden:
- aus dem Vergleich des Eigenkapitals am Ende des Geschäftsjahres mit dem Eigenkapital zu Beginn des Geschäftsjahres;
- aus der Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge innerhalb eines Geschäftsjahres.
Kennzahlen und Analyse
Erfolgsquellenanalyse
Der Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag stellt den Gesamterfolg eines Geschäftsjahres dar. Darin sind auch Erfolge enthalten, die nicht unmittelbar im eigenen Unternehmen erwirtschaftet worden oder außerordentlicher Natur sind. Daher ist für die Beurteilung der Höhe und Nachhaltigkeit des Erfolges eine Aufteilung nach Erfolgsquellen und ein Vergleich mit den Vorjahren sinnvoll.
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
- Die Ertragssituation des Beispielunternehmens hat sich deutlich verbessert. Die kräftige Steigerung des Jahresüberschusses gegenüber dem Vorjahr ist auf den starken Anstieg des Betriebserfolges (+150%) und auf das positive außerordentliche Ergebnis (10 T€) zurückzuführen.
- Geschmälert wurde der Jahresüberschuss im aktuellen Jahr durch den höheren negativen Finanzerfolg und den höheren Steueraufwand. Der negative Finanzerfolg von -30 T€ resultiert aus der höheren Zinsbelastung (durch den Schuldenaufbau) und dem Beteiligungsaufwand.
Betriebserfolg
Die Analyse des Betriebserfolges, d. h. die Erforschung der Ursachen einer Erfolgsverbesserung bzw. -verschlechterung, wird mit Hilfe der Aufwandsstruktur durchgeführt. Dabei werden die Anteile der jeweiligen Aufwendungen am Umsatz miteinander verglichen. Negativ wirken sich dabei alle Aufwendungen aus, deren Anteil am Umsatz steigt. Ergebnisverbessernd wirken sich dagegen Aufwendungen mit sinkenden Anteilen aus.
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
- Die sehr gute Entwicklung des Betriebserfolges ist bei gleich bleibendem Umsatz auf Einsparungen beim Personalaufwand (-20%) und bei den sonstigen Betriebsaufwendungen (-26%) zurückzuführen.
- Einen markanten Anstieg von +14% verzeichnete der Materialaufwand. Dies weist darauf hin, dass das Beispielunternehmen unter einem Preisdruck litt.
- Ebenfalls belastend auf den Betriebserfolg wirkten sich die Abschreibungen (+11%) aus; dies könnte durch die höheren Investitionen bedingt sein.
Betriebserfolgsquote (EBIT-Margin)
Bei der EBIT-Margin wird der Betriebserfolg (EBIT) in Beziehung zum Umsatz gesetzt. Man erhält dadurch die Umsatzrentabilität, wobei Auswirkungen der Finanzierungs- und Steuerpolitik des Unternehmens ausgeblendet bleiben. Diese Kennzahl eignet sich gut, um den Erfolg im operativen Geschäft mit anderen Unternehmen derselben Branche zu vergleichen.
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| EBIT / Umsatz x 100 | 40 / 1.000 x 100 | 100 / 1.000 x 100 |
| = EBIT-Margin | = 4% | = 10% |
|---|
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
- Die EBIT-Margin von 10% kann als sehr gut bewertet werden, zumal der österreichische Industriedurchschnitt bei rund 5% liegt. Anders ausgedrückt: Mit 100 € Umsatz werden 10 € operativer Gewinn erzielt.
- Der starke Anstieg der EBIT-Margin im Vergleich zum Vorjahr ist auf Einsparungen beim Personal und bei den sonstigen Betriebsaufwendungen zurückzuführen (siehe: Analyse Betriebserfolg).
Personalaufwandstangente
Mit dieser Kennzahl wird der Anteil des Personalaufwands am Umsatz gemessen. Die Höhe der Personalaufwandstangente ist von vielen Faktoren abhängig: Branchenzugehörigkeit, Anteil der Eigenfertigung (Fertigungstiefe), Anzahl von Zeitarbeitskräften etc.
Ein im Zeitablauf steigender Prozentsatz bringt zum Ausdruck, dass die Zunahme des Personalaufwands größer gewesen ist als die Ausweitung des Umsatzes. Sinkt er, so war die Umsatzsteigerung höher als die Steigerung des Personalaufwands. Ursachen dafür können der teilweise Verzicht auf Eigenerzeugung zu Gunsten fremdbezogener Lieferungen/Leistungen oder Rationalisierungsmaßnahmen und Produktivitätssteigerungen sein.
Die Kennzahl eignet sich auch für einen Vergleich zwischen Unternehmen derselben Branche, wenngleich unterschiedliche Fertigungstiefen zu unterschiedlich hohen Personalaufwandstangenten führen.
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| Personalaufwand / Umsatz x 100 | 250 / 1.000 x 100 | 200 / 1.000 x 100 |
| = Personalaufwandstangente | = 25% | = 20% |
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Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:25%. D. h. das Unternehmen konnte Einsparungen lukrieren, etwa durch Reduzierung der Überstunden, Ersatz teurer durch billigere MitarbeiterInnen oder Hereinnahme von LeiharbeiterInnen.
- Die Personalaufwandstangente betrug im aktuellen Jahr 20%. D. h. ein Umsatz von 100 € verursacht Personalkosten von 20 €. Mit diesem Wert liegt das Unternehmen im österreichischen Industriedurchschnitt von rund 20%.
- Der Anteil der Personalaufwendungen am Umsatz lag im Vorjahr bei
Personalaufwand pro Beschäftigtem
Der Personalaufwand pro Beschäftigtem ist von der Branchenzugehörigkeit des Unternehmens, der Altersstruktur, dem Ausbildungsniveau der Beschäftigten etc. abhängig. Es ist einerseits die Entwicklung im Zeitablauf als auch ein Vergleich des eigenen Unternehmens mit Unternehmen derselben Branche interessant.
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| Personalaufwand / Beschäftigtenzahl | 250.000 / 5 | 200.000 / 5 |
| = Personalaufwand pro Beschäftigtem | = 50.000 | = 40.000 |
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Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
- Der/die MitarbeiterIn kostet im aktuellen Jahr 40.000 €. Im Vergleich zum Vorjahr errechnet sich ein Rückgang um 20%. Dies lässt vermuten, dass Überstunden reduziert oder teure Arbeitskräfte durch billige ersetzt wurden.
- Ein Ersatz von Stammpersonal durch LeiharbeiterInnen würde diesen Wert ebenfalls senken, da LeiharbeiterInnen nicht im Personalaufwand ausgewiesen sind. In der Industrie kostet ein/e ArbeitnehmerIn rund 50.000 € im Jahr.
Umsatz pro Beschäftigtem
Der Umsatz pro Beschäftigten ist von der Branchenzugehörigkeit des Unternehmens sowie von der Preis- und Absatzentwicklung abhängig. Diese Kennzahl ist vor allem im Zeitablauf interessant. Für einen zwischenbetrieblichen Vergleich ist diese Kennzahl wenig geeignet, da mit dem Anteil der zugekauften Waren/Leistungen auch das Verhältnis Umsatz pro Beschäftigtem steigt.
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| Umsatz / Beschäftigtenzahl | 1.000.000 / 5 | 1.000.000 / 5 |
| = Umsatz pro Beschäftigtem | = 200.000 | = 200.000 |
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Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
Der Umsatz pro Mitarbeiter beträgt in beiden Jahren 200.000 € und blieb damit im Vergleich zum Vorjahr stabil. In den österreichischen Industriebetrieben wird im Durchschnitt ein Umsatz von 300.000 € pro Kopf erwirtschaftet.
Pro-Kopf-Kennzahlen im Vergleich
Durch den Vergleich der Veränderungsraten von Personalaufwand und Umsatz pro Kopf wird ersichtlich, inwieweit eine Erhöhung b.z.w. Verminderung der Umsatzkennzahlen Auswirkungen auf den Personalaufwand pro Beschäftigtem gehabt hat oder ob Umsatzsteigerungen an die Beschäftigten weitergegeben wurden.
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
Der Umsatz pro Kopf konnte im Vergleich zum Vorjahr mit 200.000 € stabil gehalten werden. *Gleichzeitig sank der Personalaufwand pro Kopf um 20%. Die Einsparungen des Unternehmens gingen somit stark zu Lasten der Arbeitnehmer.
Gewinnverwendung
Prinzipiell kann der erwirtschaftete Jahresüberschuss (Gewinn) entweder im Unternehmen einbehalten (Bildung von Rücklagen) oder in Form von Dividenden an die Eigentümer verteilt werden.
Generell gilt der Grundsatz, dass die Dividende durch den erwirtschafteten Jahresüberschuss abgedeckt sein sollte. Wird mehr ausgeschüttet, als in der jeweiligen Periode erwirtschaftet wurde, führt dies zu einem Substanzverlust (Eigenkapitalschmälerung). Abhängig von der jeweiligen Eigenkapitalausstattung sollte ein Teil des erwirtschafteten Jahresüberschusses im Unternehmen belassen werden.
Bei der Beurteilung der Dividendenpolitik sind auch Kapitalzuführungen zu berücksichtigen. Es ist durchaus denkbar, dass Dividenden ausgeschüttet und gleichzeitig Eigenkapitalzuführungen getätigt werden.
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| Jahresüberschuss | 40 | 60 |
| Ausschüttungsbetrag | 90 | 20 |
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
- Im Vorjahr wurden 90 T€ ausgeschüttet, d.h. die Dividende war höher als der erwirtschaftete Jahresüberschuss von 40 T€.
- Im aktuellen Jahr wurde mit 20 T€ weit weniger für Dividendenzahlungen vorgesehen als der Jahresüberschuss (60 T€). Der Rest von 40 T€ verbleibt somit im Unternehmen und stärkt die Eigenkapitalausstattung.
Eigenkapitalrentabilität
Unter Eigenkapitalrentabilität versteht man das Verhältnis zwischen einer Erfolgsgröße und dem eingesetzten Eigenkapital. Sie bringt die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals zum Ausdruck. Als Erfolgsgröße wird meistens der Jahresüberschuss gewählt.
Diese Kennzahl wird vor allem von den Eigentümern zur Beurteilung der Rentabilität ihres Kapitaleinsatzes herangezogen und gewinnt an Aussagekraft, wenn man sie mit anderen aktuellen Zinssätzen (Sparbuch, Anleihe, Kredit) oder mit Vergleichswerten von Unternehmen derselben Branche gegenüberstellt.
Hohe Eigenkapitalrentabilitäten entsprechen einer hohen Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals und motivieren die Eigentümer, das Kapital im Unternehmen zu belassen. Eine niedrige Eigenkapitalrentabilität lässt befürchten, dass das Kapital aus dem Unternehmen abgezogen wird und die Eigentümer andere Investitionsformen wählen (z. B. Verlagerung der Produktionsstätten ins Ausland).
| Musterbeispiel | Vorjahr | Aktuelles Jahr |
| Jahresüberschuss / Eigenkapital x 100 | 40 / 1.000 x 100 | 60 / 1.000 x 100 |
| = Eigenkapitalrentabilität | = 4% | = 6% |
|---|
Hier kannst du gleichzeitig die Gewinn- und Verlustrechnung der Muster GmbH ansehen.
Interpretation:
Das vom Eigentümer im Unternehmen eingesetzte Eigenkapital verzinst sich mit 6%. Im Vergleich zu Alternativveranlagungen könnte dieser Wert für die Eigentümer wenig attraktiv erscheinen, so dass die Gefahr eines Kapitalabzuges besteht.
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