Konfliktbewältigung

Aus WIGBIT

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die meisten Konfliktbearbeitungen sind Versuche der Konfliktparteien, mit den entstandenen Interessengegensätzen umzugehen. Empirisch nachweisbar entstehen charakteristische Konfliktstile und Motive des Konfliktverhaltens, die zwischen Sieg und Niederlage hin und her pendeln können.

Siehe dazu auch die Konfliktstile und Motive des Konfliktverhaltens.

Beim Umgang mit Konflikten lassen sich nach Schwarz (1997) sechs immer wiederkehrende Grundmuster erkennen, die sich sowohl kulturgeschichtlich erklären lassen, aber auch individuell in jedem Konfliktgeschehen zu erkennen sind. Diese Muster werden in den folgenden Abschnitten dargestellt.

Zurück zu Konfliktmanagement

Inhaltsverzeichnis

Flucht

Flucht

Die Flucht wird instinkthaft fast immer zur Abwendung einer äußeren Gefahr angewandt. Die Konfliktsituation kann mit dieser Methode nur kurzfristig bewältigt werden, es stellt sich heraus, dass der Gegensatz in anderer Form, oder in einer anderen Situation wieder (schärfer) zu Tage tritt.

In Konfliktsituationen zeigt die Flucht folgende Erscheinungsformen: Problem wird auf lange Bank geschoben/verleugnet, davon laufen usw.

  • Vorteile:
    rasch, einfach, schmerzlos, kaum Schäden, keine VerliererInnen;
    der Konflikt ist zwar ungelöst, aber durch Kontaktverlust geregelt.
  • Nachteile:
    kein Lernanreiz, keine Weiterentwicklung, das Gemeinsame geht verloren, keine Lösung, unbefriedigend;
    der Konflikt taucht auf, sobald die KonfliktpartnerInnen wieder da sind.

Vernichtung

Ist die Flucht bei einer Gefahr nicht möglich, dann kommt es zu einer aggressiven Kampfsituation, bei der die Konfliktparteien die Vernichtung der Gegnerin oder des Gegners anstreben.

Erscheinungsformen: Gesellschaftliche Ausgrenzung und Ausschluss, Mobbing, Kündigung, Krieg zwischen Nationen, Mord usw.

  • Vorteile:
    unkompliziert, geistig anspruchslos, einmalig, dauerhaft, gründlich.
  • Nachteile:
    unkorrigierbar, inhuman, verbreitet Schrecken, nur eine Konfliktpartei überlebt,
    Weiterentwicklung gefährdet, positive Aspekte der GegnerInnen werden eliminiert.

Unterwerfung

Die Unterwerfung oder Unterordnung wird dann als Mittel der Konfliktbewältigung gewählt, wenn die oder der mit weniger Ressourcen oder Machtmitteln ausgestattete KonfliktpartnerIn zum Schluss kommt, dass Nachgeben oder Unterordnen unter die stärkere Position Vorteile bringt. In hierarchisch organisierten Unternehmen hat die Unterordnung System. Die oder der Unterworfene verliert zwar ein Stück seiner Selbstbestimmung, aber er gewinnt auch an Sicherheit, die er vom Unterwerfer (Vorgesetzter, Chef etc.) bekommen kann.

Erscheinungsformen: Drohung, Erpressung, Krieg, Putsch, Bestechung, Hierarchie, Verzicht, Resignation, rasche Mehrheitsentscheidung.

  • Vorteile:
    Überleben, Umkehrbarkeit, relativ schnell, wiederholbar,
    Unterworfener weiter verwendbar, Arbeitsteiligkeit, Hierarchie.
  • Nachteile:
    Umkehrbarkeit, permanente Autorität bzw. Kontrolle notwendig, Elend und Angst,
    willenlos und nicht regierbar, starre Rollenverteilung, Gefahr eines Aufstandes.


Delegation

"Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte". Das könnte auf besondere Schadenfreude hindeuten. Vielmehr aber zeigt dieses alte Sprichwort die wichtige Funktion von nicht am Konflikt beteiligten Personen auf. Bei der Delegation entscheidet eine dritte Instanz (Recht, Gesetz, (Schieds-)RichterIn) zwischen zwei Gegensätzen.

Es muss sichergestellt sein, dass die höhere Instanz nicht am Konfliktgeschehen direkt beteiligt ist und keine eigenen Interessen vertritt. Nur so ist eine objektive Entscheidungsfindung und die Akzeptanz durch beide Konfliktparteien möglich. Neuere Formen der Delegation (z.B. Mediation, Organisationsberatung) versuchen den KonfliktpartnerInnen ihre Konfliktbewältigungskompetenz durch Hilfe zur Selbsthilfe wieder zurückzugeben.

Z.B. geht es bei einer außergerichtlichen Scheidung darum, dass beide Ehepartner gemeinsam eine passende Lösung für ihre Probleme im Rahmen eines Mediationsprozesses erarbeiten.

Erscheinungsformen: Weisenrat, Autoritäten, RichterInnen, Gerichte, Kommissionen, Schiedsgericht.

  • Vorteile:
    energiesparend, anonym, Emotionen werden vermieden, kein Gesichtsverlust,
    Teileinigung, keine volle Verantwortung der Betroffenen für die Entscheidung.
  • Nachteile:
    Konfliktparteien erarbeiten Entscheidung nicht selbstständig,
    beide Konfliktparteien müssen Letztentscheidung der dritten Instanz akzeptieren,
    Instanzen müssen anerkannt und anonym sein.

Kompromiss

Wenn die Konfliktparteien einen Kompromiss erzielen wollen, müssen sie in bestimmten Bereichen des Konfliktes zu einer Teileinigung finden und aufeinander zugehen. Ein großer Vorteil des Kompromisses besteht darin, dass die Konfliktparteien in jeder Phase der Verhandlungen ihre Bewältigungskompetenz beibehalten. Bei guten Kompromissen werden wichtige Teile ausverhandelt. Bei sogenannten "faulen" Kompromissen werden gerade diese Teile nicht besprochen und ein Wiederaufflammen des ursprünglichen Konfliktes ist sehr wahrscheinlich.

In vielen politischen und gesellschaftlichen Bereichen ist die Kompromissfindung Teil der Arbeit. (Z.B. Kollektivvertragsverhandlungen zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen, Koalitionsverhandlungen zwischen Parteien, Budgetverhandlungen in Organisationen usw.)

Erscheinungsformen: In politischen Bereichen gehört der Kompromiss quasi zum Handwerkszeug der AkteurInnen, aber auch im wirtschaftlichen und privaten Sektor findet er weite Verbreitung.

  • Vorteile:
    Selbsterarbeitung des Ergebnisses, Kontrolle der Regelung durch die Parteien selbst,
    Teileinigung kann unter Prestigewahrung erzielt werden, Teilverantwortung der Betroffenen gegeben.
  • Nachteile:
    Neuverhandlungen bei Verschiebung der Interessen oder Machtverhältnisse notwendig,
    Zufriedenheit nur bis zu einem gewissem Grad gegeben.

Konsens

Es werden alle Konfliktpunkte und Teilaspekte in die Konsenssuche hineingenommen. Aus den früher gegensätzlichen Positionen entwickeln die Konfliktparteien eine völlig neue Sicht ihrer Problemlage, die von beiden PartnerInnen sowohl inhaltlich als auch auf der Beziehungsebene getragen wird. Somit behält beim Zustandekommen eines Konsenses jede/r Recht und gewinnt am Ende noch ein Stück Freiheit dazu.

Ein Konsens wird zumeist dann angestrebt, wenn die Konfliktparteien beginnen einzusehen, dass sich der Aufwand, die Kosten und das Risiko anderer Konfliktbewältigungsmöglichkeiten (Flucht, Vernichtung, Unterordnung und Delegation) nicht rechnen.

Erscheinungsformen: Firmenfusionen, Integrationsprozesse innerhalb der EU, selbstverwaltete Betriebe.

  • Vorteile:
    Konflikt ist vollständig bewältigt, intensiver Interessenaustausch, Konfliktbewältigung,
    intensive Auseinandersetzung mit den Interessen der/des Konfliktgegners/-in.
  • Nachteile:
    langwierige Prozedur, Gefahr des Rückfalls auf frühere Stufen der Konfliktregelung - insbesondere Kampf,
    zeitaufwendig, anstrengend.

Siehe dazu auch die Anleitungen zur positiven Konfliktbewältigung:

Kooperative Konfliktbewältigung
6 Schritte zur Konfliktbewältigung
Im Alltag ist die Konfliktbewältigung durch einen Konsens oder Kompromiss am wichtigsten. Wie du in diesem Sinne ein Kofliktgespräch führen kannst, veranschaulicht das Interview mit dem Organisationsberater Harald Payer:
zum Audiobeitrag (10:31 Min, 12.04 MB)

Mit dem Konfliktgespräch zu einem Konsens finden.


Persönliche Werkzeuge