Konzerndiktatur

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Inhaltsverzeichnis

Die Macht der Konzerne

Über 64.000 Konzerne mit rund 870.000 Tochtergesellschaften (UNCTAD, 2003) agieren international oder weltweit und nützen Wettbewerbsvorteile durch Implementierung einheitlicher Netzwerke in Beschaffung, Produktion, Verteilung und Finanzierung und sichern sich internationale Wettbewerbs- und Standortvorteile. Als solche gelten unter anderem

  • Qualifikation und Preis der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen,
  • Infrastruktur,
  • soziales Klima,
  • Größe des Marktes,
  • Höhe der Steuern und Sozialabgaben
  • sowie Flexibilität der Umweltstandards.

Zum Vergleich: Im Jahr 1999 lag die Zahl der multinationalen Konzerne noch bei 37.000 mit 175.000 Tochterunternehmen.
Bild:TNKs.jpg

Anzahl transnationaler Konzerne (TNKs) weltweit

Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2000

Nach der "Top 200: The Rise of Global Corporate Power"-Studie (203k, englisch) des Institute of Policy Studies (Washington) aus dem Jahr 2000 sind unter den 100 mächtigsten Organisationen der Welt 51 Konzerne und 49 Staaten.

Profitmaximierung auf dem Rücken der ArbeiterInnen

Die Umsätze der 200 größten multinationalen Konzerne (1999: 27,5% der weltweiten Umsätze) sind größer als die gemeinsame Wirtschaftsleistung aller Länder (abzüglich der 10 größten) und sie bestreiten ein Viertel des Welthandels. Trotzdem beschäftigen multinationale Konzerne in keinem Land der Welt mehr als 1-2% der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (1999: 0,78% der weltweit Erwerbstätigen).

Der Gewinn, den die "Top 200" (PDF, 203k, englisch) im Jahre 1999 ausschütteten, betrug 385 Milliarden US-$.

Zum Vergleich: Die Schulden der 49 ärmsten Länder, die mit den Milleniumszielen um mindestens die Hälfte reduziert werden sollen, betragen 30 Milliarden US-$.

Die zunehmende internationale Vernetzung der Unternehmen hat auch massive Auswirkungen auf den internationalen Handel und Investitionen:

  • 60% des "internationalen Handels" passiert innerhalb von Konzernen, etwa zwischen Mutter- und Tochterunternehmen.
  • Bei etwa 80% aller getätigten "Investitionen" werden nur bereits bestehende Unternehmen angekauft.

TV-Beitrag "David gegen Goliath - Der Kampf mexikanischer Arbeiter gegen Continental" von Michael Enger, D 2004
zu beziehen via weltumspannend arbeiten

Stakeholder vs. Shareholder

Angelehnt an das amerikanische Modell der Unternehmensbewertung und -bilanzierung wird im Zuge der Globalisierung der Finanzmärkte auch in Europa das Stakeholder-Value-Denken aufgegeben. Dieses Denken implizierte eine langfristige Unternehmensstrategie und Ausrichtung auf den dauerhaften Bestand eines Unternehmens unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten und der Gesellschaft allgemein.

Das Prinzip des Shareholder-Value orientiert sich dagegen ausschließlich

  • an der Befriedigung der Rendite-Interessen der AktionärInnen,
  • auf Steigerung des Aktienkurses an der Börse,
  • und zielt auf Sofortausschüttung kurzfristig erworbener Höchstgewinne zu Lasten von Investition und langfristiger Unternehmenspolitik.

Der Einfluss der Großaktionäre

Großaktionäre geben Zielvorgaben für UnternehmerInnen und drängen shareholder-schädliche Interessen zurück. Die Beschäftigten in den Unternehmen sehen sich zunehmend konfrontiert mit

  • Umstrukturierungsmaßnahmen (Downsizing, Lean Management, Lean production),
  • Outsourcing,
  • Kostensenkungsprogrammen,
  • neuen Managementstrategien (Reengineering, Human-Resources-Management, Flexible Produktion),
  • Leistungskontrollen,
  • internem und externem Konkurrenzdruck
  • und Abbau von Beschäftigten trotz Rekordgewinnen.

Zugleich winken dem Topmanagement bei erfolgreicher Reorganisation Rekordgehälter sowie Beteiligung am Unternehmenserfolg durch Firmenaktien.

Standortwettbewerb und Sozialdumping

Die westlichen Industrieländer beugen sich dem Druck der Unternehmen, ihre "internationale Konkurrenzfähigkeit" zu sichern, und treten in den Wettbewerb um die Schaffung der besten Wirtschaftsbedingungen ein. So sollen verschiedene Begünstigungen Investoren ans Land binden und Arbeitsplätze schaffen.

Unter Verweis auf die geringen Löhne in ost- oder außereuropäischen Ländern und unter Drohung der Verlagerung der Betriebsstätten ins kostengünstigere Ausland werden Lohn- und Steuersenkungen, Einschränkungen der Sozialleistungen, Investitionsbegünstigungen und weitere massive Zugeständnisse von ArbeitnehmerInnenseite informell und politisch erzwungen.

Dabei bleibt außer Acht, dass die beschäftigungswirksamen Effekte ausgeblieben und die Arbeitslosenraten europaweit sprunghaft angestiegen sind.

Die Missstände kommen z.T. durch den Neoliberalismus selbst

Der Verweis auf die Zwänge der Globalisierung dient vielfach der Legitimation für Missstände, die die an Profitmaximierung orientierte neoliberale Wirtschaftspolitik selbst hervorgebracht hat, wie

  • Massenarbeitslosigkeit oder das Phänomen des "Working Poor" (Armut trotz Beschäftigung),
  • Ungleichheit der Einkommensverteilung (Verteilung von unten nach oben),
  • Finanzierungsprobleme des Sozialstaats
  • und Rückzug der Politik aus der sozialen Verantwortung.

Direkte und indirekte Unternehmensförderungen (Investitionsgarantien, Exporthilfen, Subventionen, öffentlich subventionierte Infrastrukturen, Steuerbefreiungen) einerseits sowie lange Arbeitszeiten und Kürzung von Sozialleistungen und Einkommensverzicht der ArbeitnehmerInnen andererseits sollen staatliche Haushalte entlasten und neue Arbeitsplätze schaffen. Diese lassen jedoch auf sich warten.


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