Mobbingprozess

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In diesem Abschnitt wird gezeigt,

  • wie Mobbing entsteht,
  • welche Personen an einem Mobbingkonflikt beteiligt sind und
  • wie typische Mobbinghandlungen aussehen.

Inhaltsverzeichnis

Wie entsteht Mobbing?

"Am Beginn eines typischen Mobbingverlaufs steht immer ein zwischenmenschlicher Konflikt, der verschiedene Ursachen haben kann.

Ungünstige strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen im Betrieb oder persönliche Probleme unter KollegenInnen lösen Konflikte aus.

Unser Alltag, sei es im Beruf oder Privat, ist von Konflikten geprägt. In der Regel handelt es sich aber um Probleme, die in einem Gespräch unter den Beteiligten rasch gelöst werden können.

"Bei Konflikten kann man auch zwischen einem offenen "heißen" und verdeckten "kalten" Konflikt unterscheiden.

Bei einem "heißen" Konflikt kann es zu heftigen Diskussionen und zu einem Streit unter den Beteiligten kommen. Allerdings wird so dieser Konflikt geklärt und dadurch besteht nur eine geringe Gefahr, dass daraus Mobbing wird.

Kalter Konflikt

Unter einem "kalten" Konflikt versteht man Konflikte, die nicht direkt angesprochen werden, sondern "unter den Teppich gekehrt werden". Hier kann es leicht passieren, dass dieser Konflikt eskaliert und aus einer Meinungsverschiedenheit in einer Sachfrage ein Beziehungskonflikt wird.

Es geht nicht mehr darum, die Differenzen zu beseitigen, sondern die andere Person wird als Ursache für den Konflikt gesehen. Damit befindet sich der Konflikt in jener Lage, wo es leicht zu dem typischen Mobbingverlauf kommen kann.

"In diesem Zusammenhang wird Mobbing als Prozess verstanden, der einem nicht gelösten Konflikt nachfolgt. Mobbing stellt somit den Endzustand einer fehlgeleitenden Konflikthandlung dar.

Wenn nicht in den Mobbingprozess eingegriffen wird, dann hat das negative Auswirkungen sowohl

  • für die Betroffenen
  • und das Betriebsklima,
  • als auch für den Betrieb, dem hohe Folgekosten dadurch entstehen.

Mobbing – wer sind die Beteiligten?

Am Mobbingprozess sind alle, die am Arbeitsplatz miteinander in Kontakt stehen, beteiligt. Dabei müssen jedoch nicht alle ArbeitskollegenInnen als MobbingtäterInnen aktiv beteiligt sein, sie können Mobbinghandlungen auch zulassen und nicht eingreifen, wenn ein/e KollegIn gemobbt wird. Ist dies der Fall, so sind diese KollegInnen auch indirekt in den Mobbingprozess involviert.

Mobbing unter Kolleginnen und Kollegen

Am häufigsten kommt Mobbing unter Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Vorgesetzten vor. Dabei unterscheidet man zwischen vier Varianten:

  • Einzelne Kolleginnen und Kollegen untereinander
  • Eine Gruppe von Kollegen und Kolleginnen gegeneinander
  • Eine Gruppe von Kollegen und Kolleginnen gegen einen einzelnen Kollegen oder eine Kollegin
  • Eine Gruppe von Kollegen und Kolleginnen gemeinsam mit dem/r Vorgesetzten gegen eine/n KollegIn.

Häufigkeit von mehreren TäterInnen

Der Mobbing-Report aus Deutschland (2002 veröffentlicht) hat herausgefunden, dass

  • 23 Prozent der Befragten von einer Person gemobbt werden,
  • 20 Prozent von einer Gruppe von KollegInnen und
  • 13 Prozent von einer Gruppe gemeinsam mit den Vorgesetzten gemobbt werden.

Diese Studie zeigt, dass in vielen Fällen die Betroffenen von mehreren Personen schikaniert werden.

Gruppendynamik

Gemobbte Personen empfinden auch Handlungen einzelner mit dem Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber dem/der Mobber/in, da die anderen Kollegen und Kolleginnen meist die Schikane schweigend mittragen. Dadurch, dass die Arbeitskollegen und -kolleginnen nicht aktiv in die Mobbinghandlungen eingreifen, werden Mobbinghandlungen noch begünstigt, da Mobber und Mobberinnen den ausbleibenden Protest als Ermunterung verstehen, weiterzumachen.

Wenn ein/e Einzelne/r von Kolleginnen und Kollegen oder einer ganzen Abteilung gemobbt wird, muss überlegt werden, welche Ursache hinter diesen Handlungen steckt. In den meisten Fällen liegen soziale Spannungen innerhalb der ganzen Gruppe vor und der/die Gemobbte wird durch Ausgrenzung zum Sündenbock abgestempelt.

Der/die Betroffene erfüllt damit die Funktion eines so genannten "Symptomträgers", das heißt er ist nicht die Ursache für die sozialen Spannungen sondern der/die Betroffene übernimmt nur eine Stabilisierungsfunktion für die Gruppe, und es scheint so, als ob die Harmonie innerhalb der Gruppe anscheinend gewahrt bleibt.

Entlastung für Aggressionen der Gruppe

Hat der/die Betroffene Stabilisierungsfunktion für Spannungen in der Gruppe, dann helfen Hilfsangebote, die sich ausschließlich an den/die Betroffene richten, sehr wenig. Denn wenn er/sie ausscheidet, braucht die Gruppe ein neues Feindbild, damit die Gruppe weiterhin funktioniert.

Mobbing unter Kolleginnen und Kollegen erfüllt daher oft die Funktion, die betroffene Person als Ersatzobjekt für den eigentlich gemeinten Vorgesetzten als Entlastungsventil für Aggressionen zu missbrauchen. Die Auslöser für diese Aggressionen sind aber in den strukturellen Arbeitsbedingungen zu suchen.

Mobbing von Vorgesetzten gegenüber Mitarbeitern

Als zweithäufigste Form kommt Mobbing von Vorgesetzten gegenüber Mitarbeitern vor. Nach dem deutschen Mobbing-Report sind Führungskräfte maßgeblich am Mobbinggeschehen beteiligt: 38 Prozent der Mobbing-Fälle werden ausschließlich von Vorgesetzten betrieben. Damit verletzten die Führungskräfte ihre Fürsorgepflicht, die sie per Gesetz gegenüber ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen haben.

Es werden verschiedene Gründe genannt, warum Vorgesetzte gegen ihre eigenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mobben.

  • Zum einen zeigen Führungskräfte durch Mobbing ihre Macht oder
  • vertuschen ihre Unfähigkeit mit Mitarbeitern umzugehen bzw. ihre fachliche Qualifikationen.
  • Zum anderen wird durch Mobbing die eigene Frustration abgebaut bzw. der starke Druck an die Mitarbeiter weitergegeben.
  • Wenn Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mobben, kann das auch Nutzen für das Unternehmen haben: Wenn ein Betrieb in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, kann durch Mobbing "günstig" Personal abgebaut werden.

Mobbing gegen einzelne Gruppen von KollegenInnen

Im Arbeitsleben gibt es einzelne Gruppen, die sich von der Mehrheit der Arbeitsgruppen unterscheiden. Dieses Anderssein macht sich in verschiedenen Formen bemerkbar, z.B. an der Sprache. Wenn etwa die Mehrheit einer Gruppe hochdeutsch spricht und ein/e Kollege/in einen bestimmten Dialekt spricht. Oder eine bestimmte religiöse oder politische Einstellung kann dazu führen, dass die betroffene Person ausgegrenzt wird.

Allerdings wird nicht jede Person, die sich durch bestimmte Merkmale von der Mehrheit einer Gruppe unterscheidet, automatisch gemobbt. Nur unter bestimmten Umständen kann dieses Anderssein eine Quelle für spätere Mobbinghandlungen sein. Der Prozess der Ausgrenzung wird vielmehr durch strukturelle und/oder individuelle Faktoren begünstigt.

Merkmale der Opfer

Im Folgenden werden einige Merkmale aufgezählt, die zur Ausgrenzung führen könnten:

  • Besonderes Engagement
  • Menschen mit ansteckenden Krankheiten (z.B. HI-Virus)
  • Menschen mit Alkoholproblemen oder trockene Alkoholiker
  • NichtraucherInnen oder RaucherInnen
  • Menschen mit körperlichen Gebrechen
  • Zu dicke oder zu dünne Menschen
  • Homosexuelle, bisexuelle Personen
  • Religiöse oder politische Einstellungen

Fünf Kategorien von Mobbing-Taktiken

"Mobbing steht für Handlungen, die während eines längeren Zeitraumes von einem Einzelnen oder einer Gruppe gegen eine bestimmte Person gerichtet werden und die zum Ziel haben, diese Person systematisch fertig zu machen.

Mobbingbetroffene werden dabei mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Feindseligkeiten konfrontiert. Heinz Leymann hat in seinen Forschungen verschiedene Mobbing-Taktiken beobachtet, die am häufigsten von den Mobbern angewandt werden. Die häufigsten Mobbinghandlungen lassen sich in 5 Kategorien zusammenfassen, wobei es sich hier um keine vollständige Liste aller Mobbing-Taktiken handelt, sondern nur die gängigsten Handlungen zusammengefasst wurden.

  • Kommunikation
  • Beziehungen
  • Ansehen
  • Beruf
  • Gesundheit


Angriffe auf die Kommunikationsmöglichkeiten

  • Der/die Vorgesetzte schränkt die Möglichkeiten ein, sich zu äußern
  • Man wird ständig unterbrochen
  • Kollegen und Kolleginnen schränken die Möglichkeit ein, sich zu äußern
  • Anschreien oder lautes Schimpfen
  • Ständige Kritik an der Arbeit
  • Ständige Kritik am Privatleben
  • Telefonterror
  • Mündliche Drohungen
  • Schriftliche Drohungen
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht

Angriffe auf die sozialen Beziehungen

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
  • Kollegen und Kolleginnen lassen sich nicht ansprechen
  • Versetzung in einem Raum weitab von Kollegen und Kolleginnen
  • Den ArbeitskollegInnen wird verboten, den/die Betroffene/n anzusprechen
  • Der/die Betroffene wird wie Luft behandelt


Auswirkungen auf das soziale Ansehen

  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen
  • Kollegen und Kolleginnen verbreiten Gerüchte
  • Der/die Betroffene wird lächerlich gemacht
  • Der/die Betroffene wird verdächtigt, psychisch krank zu sein
  • Die Kollegen und Kolleginnen zwingen den/die Betroffene zu einer psychiatrischen Untersuchung
  • Es wird über eine Behinderung gespottet

Gang, Stimmen oder Gesten werden imitiert, um den/die Betroffene lächerlich zu machen

  • Kollegen und Kolleginnen greifen die politischen und religiösen Einstellungen der betroffenen Person an
  • Man macht sich über das Privatleben lustig
  • Man macht sich über die Nationalität lustig
  • Der/die Betroffene wird gezwungen, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen
  • Der Arbeitseinsatz der betroffenen Person wird in falscher und kränkender Weise beurteilt
  • Die Entscheidungen des/der Betroffenen werden in Frage gestellt
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote


Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

  • Der/die Betroffene bekommt keine Arbeitsaufgaben zugewiesen
  • Man nimmt ihm/ihr jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
  • Man gibt ihm/ihr sinnlose Arbeitsaufgaben
  • Man gibt ihm/ihr Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können
  • Man gibt ihm/ihr ständig neue Aufgaben
  • Man gibt ihm/ihr kränkende Arbeitsaufgaben
  • Man gibt dem/der Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine/ihre Qualifikation übersteigen, um ihn/sie zu diskreditieren

Angriffe auf die Gesundheit

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Androhung körperlicher Gewalt
  • Anwendung leichter Gewalt, z.B. um jemanden einen "Denkzettel" zu verpassen
  • Körperliche Misshandlung
  • Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihr/ihn zu schaden
  • Man richtet physischen Schaden am Arbeitsplatz oder im Heim des/der Betroffenen an
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten


Häufigste Mobbinghandlungen

Im Mobbing-Report aus Deutschland aus dem Jahr 2002 werden folgende Mobbinghandlungen genannt, die am häufigsten verwendet werden:

  • Hinter dem Rücken wird schlecht über jemanden gesprochen
  • Falsche oder kränkende Beurteilung der Arbeitsleistung
  • Verweigerung wichtiger Informationen
  • Ausgrenzung, Isolierung
  • Beleidigung

Der Mobbing-Report stellte außerdem fest, dass sich mobbende Frauen von mobbenden Männern unterscheiden. Frauen und Männer unterscheiden sich beim Mobbing vor allem durch die Art der Angriffe.

Männer wählen eher passivere Formen (nicht mit jemanden reden) oder weichen auf Sachthemen aus (Veränderungen der Arbeitsaufgabe, Angriffe gegen die religiöse oder politische Einstellung).

Frauen hingegen wählen eher aktive Handlungen, die das Ansehen der Person verletzen (Klatschen, Verleumden, indirekte Anspielungen).


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