Praxisorientiertes Projektstudium der AK OÖ

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D.H.E.P.S., Université de Strasbourg
Arbeiterkammer Oberösterreich

Ein praxisorientiertes
P r o j e k t s t u d i u m
zur internationalen und sozialwissenschaftlichen Qualifizierung
von Führungskräften im interessenpolitischen und sozialen Dienstleistungssektor

Kooperationspartner:

  • Université de Strasbourg, F
  • Johannes Kepler Universität, Linz, A
  • Institut für projektbezogene Studiengänge, Linz, A

Inhaltsverzeichnis

Projektstudium – Was ist das?

Das Projektstudium ist ein von universitären, interessenpolitischen und sozialen Institutionen konzipiertes innovatives Bildungsmodell zur sozialwissenschaftlichen Qualifizierung von Führungskräften.

Das Projektstudium ist berufsbegleitend, erwachsenenorientiert und europäisch ausgerichtet. Es wird von der AKOÖ in Kooperation mit der Université de Strasbourg und dem Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik der Johannes Kepler Universität Linz durchgeführt.

Das Projektstudium erhebt den Anspruch, Führungskräfte beruflich, politisch und europäisch so zu qualifizieren, dass sie sich in ihren Organisationen den Herausforderungen der gegenwärtigen und künftigen wirtschaftlich und gesellschaftlich bedingten Veränderungen besser stellen können, indem sie vor Ort, gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen, neue Lösungen in der Berufs- und Interessenwelt suchen und umsetzen.

Die Teilnehmer/-innen dieses dreijährigen Bildungsprogramms reflektieren und analysieren gemeinsam und einzeln nach sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden ihre eigene Berufserfahrung und die ihrer Mitarbeiter/-innen und Kolleg/-innen im Hinblick auf ihre selbstgewählten „Projekte“, die theoretisch und praktisch nicht nur adäquate Antworten auf gegenwärtige Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Organisation geben sollen, sondern auch künftige Trends mitberücksichtigen. Es gilt, ein modernes Rollenverständnis und eine Neubewertung des Führungsverhaltens aus nationaler und europäischer Perspektive vorzunehmen. Hierzu will das Bildungsmodell beitragen. Der Lehrgang kann mit dem Diplôme des Hautes Etudes des Pratiques Sociales (D.H.E.P.S) der Universität Strasbourg abgeschlossen werden.

Träger und Projektpartner des Bildungsmodells

  • Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich, Linz
  • Département des sciences de l’éducation Université de Strasbourg
  • Institut für Gesellschaft- und Sozialpolitik der Johannes Kepler Universität Linz
  • Institut für projektbezogene Studiengänge, Linz

Die Leitidee

Bei der Vertretung von sozialen Interessenangelegenheiten kann europäisches Bewusstsein und Handeln nicht verordnet und auch nicht durch frontale Wissensvermittlung hergestellt werden. Wissen in Theorie und Praxis muss vielmehr mit der persönlichen und beruflichen Biografie verkettet werden und in einem europäischen Rahmen sowie in der direkten Auseinandersetzung mit Akteuren aus anderen Ländern zu einem ganzheitlichen Wissen und Handeln führen.

Die Projektpartner übernehmen die vom Département des sciences de l’éducation Université de Strasbourg und darüber hinaus von 14 weiteren französischen Universitäten bereits seit Jahren erfolgreich praktizierte Methode der „Recherche Action“. Lebenslanges Lernen wird als Instrument für Führungskräfte aus Arbeitnehmerinteressenvertretungen und aus dem sozialen Dienstleistungsbereich auf europäischer Ebene angewendet, weiterentwickelt und verbreitert.

Die „Recherche Action“ ist die Grundidee und die Basis des Bildungsweges. Die Methodik der „Recherche Action“ ist dabei als ein Prozess zu verstehen, der entlang eines Lebens verläuft (=Action) und durch persönliche Weiterbildung, die an die jeweiligen individuellen Erfordernisse angepasst ist, vervollständigt wird (=Recherche). Dies impliziert wesentlich, dass den Erfahrungen und Selbststeuerungsprozessen der Teilnehmer/-innen Vorrang gegeben wird. Im Vordergrund steht hierbei nicht das Postulat, Wissen zu „konsumieren“, sondern Wissen zu „produzieren“. Das heißt, im Mittelpunkt dieses innovativen Weiterbildungskonzeptes steht die Idee, die eigenen sozialen und beruflichen Erfahrungen zum Gegenstand des Lernens zu machen und zur Diskussion zu stellen, dadurch zur eigenen Position Abstand zu gewinnen, in Alternativen denken zu lernen und Vergleiche mit internationalen Entwicklungen anstellen zu können. Insbesondere in Situationen des Wandels ist dies eine unerlässliche Voraussetzung zum Erlangen von Führungskompetenzen.

Das Qualifizierungskonzept

Die Träger des Projektstudiums konstituieren in ihren Herkunftsländern nationale Studiengruppen. Die Teilnehmenden entwickeln nach und nach in ihrem beruflichen Umfeld ein Projekt auf der Basis ihres autobiografischen, betrieblichen und interessenpolitischen Hintergrundes mit europäischer Dimension. Die Ausarbeitung und Realisierung dieses Projektes erfolgt unter wissenschaftlicher Begleitung, welche die Eigenständigkeit der Teilnehmer/-innen unterstützen und fördern soll.

In kollektiven Workshops/Präsenzphasen und speziellen Seminaren werden sozialwissenschaftliche Methoden und Theorien vermittelt, wobei die gemeinsamen und spezifischen Projektinhalte der Teilnehmer/-innen zum Gegenstand des Lernens werden.

Die konkreten theoretischen, interdisziplinären Zugänge konstituieren sich im Kontext der Praxis-/Forschungsfelder der Teilnehmer/-innen und basieren auf wesentlichen Elementen nachstehender Wissenschaftsdisziplinen, die im europäischen Kontext behandelt werden:

Gliederung des Qualifizierungskonzeptes

Das Projektstudium gliedert sich in drei Studienabschnitte:

1. Studienabschnitt (12 Monate)

  • Einführung in wissenschaftliches Arbeiten
  • Einführung in soziologischer Theorien
  • Einführung in Theorien der Sozialphilosophie
  • Einführung in spezielle Soziologie (z.B. Organisationssoziologie, Bildungssoziologie, Gesundheitssoziologie, Gewerkschaftssoziologie)
  • Einführung in die Methoden der Aktionsforschung
  • Klärung, Bestimmung, Abgrenzung und Gliederung des Forschungsbereichs
  • Literatur und Dokumentationsrecherche
  • Aufarbeitung der einschlägigen Literatur und Dokumente
  • Erstellung eines theoretischen Bezugsrahmens unter *Berücksichtigung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Begutachtung des Forschungsprojektes
  • Abschlussprüfung des 1. Studienabschnittes (Kleine Soutenance)

2. Studienabschnitt (12 Monate)

  • Auswahl, Verfeinerung und Anwendung spezifischer Forschungsmethoden im sozialen Feld
  • Regelmäßige Rückspiegelung der Forschungsteilergebnisse an den von der Forschungsproblematik betroffenen und beteiligten Personenkreis
  • Selbstständiges und begleitetes Arbeiten am theoretischen Rahmen zur Erklärung und Begründung von Forschungsteilergebnissen
  • Vertiefung des theoretischen Bezugsrahmens
  • Vertiefung in Grundlagen der Gesellschafts- und Sozialpolitik
  • Vertiefung in Grundlagen der speziellen BWL
  • Projektfortschrittskontrolle und Reflexion
  • Abschlussprüfung des 2. Studienabschnittes (Kleine Soutenance)

3. Studienabschnitt (12 Monate)

  • Vertiefung des theoretischen Bezugsrahmens
  • Präsentation sowie Reflexion und Diskussion der vorliegenden Teilergebnisse
  • Endredaktion der wissenschaftlichen Abhandlung des Projektes
  • Verdichtung und Überprüfung der Forschungsergebnisse an Hand der angewandten Theorien und Methoden mit dem Ziel der praktischen Umsetzbarkeit im Aktionsfeld
  • Begutachtung und Verteidigung der Abschlussarbeit im Rahmen der Diplomprüfung (Große Soutenance)

Wissenschaftliche Begleitung der Teilnehmer/-innen

Während der oben genannten Phasen werden die Teilnehmer/-innen einzeln und in Gruppen von Universitätslehrer/-innen, wissenschaftlich ausgebildeten Berater/-innen / Studienleiter/-innen begleitet und beraten und zum kontrollierten Selbststudium angehalten bzw. darin unterstützt.

In monatlichen nationalen Workshops werden theoretische und methodische Inhalte vermittelt und gemeinsame Wissensdefizite aufgearbeitet.
Die einzelnen Forschungsprojekte werden abschnittweise in Einzelberatungen mit Studienleiter/-innen und Praxisbegleiter/-innen reflektiert , diskutiert und weiterentwickelt. Fakultative Peergroups unterstützen zusätzlich den individuellen Studienverlauf.
Zur individuellen Bearbeitung entdeckter Wissensdefizite belegen die Teilnehmer/-innen auch ausgewählte Lehrveranstaltungen an der Johannes Kepler Universität Linz bzw. an einer ihrem Wohnort nächstgelegenen Universität.

Über alle Lern- und Forschungsbereiche sowie über die Methoden führen die Teilnehmer/-innen ein detailliertes Studienbuch, das den Fortgang der individuellen und kollektiven Lernphasen, die Literaturrecherchen, die besuchten universitären Lehrveranstaltungen und die fachlichen Diskussionen mit den Studienleiter/-innen bzw. Praxisbegleiter/-innen dokumentiert.

Kommunikation zwischen und in den nationalen Studiengruppen

Wie sind die einzelnen nationalen Studiengruppen (französische und österreichische) miteinander verbunden und wie tauschen sie untereinander ihre Erfahrungen aus?

Alle Teilnehmer/-innen treffen sich obligatorisch zu internationalen Präsenzphasen, die alle 12 Monate mit je 4-tägiger Dauer in Strasbourg stattfinden und der Vermittlung von grenzüberschreitenden Inhalten, dem Theorie/Praxis Transfer und dem internationalen Austausch dienen.

Zusätzlich sind die nationalen Teilnehmer/-innen und wissenschaftlichen Begleiter/-innen über eine „Internet-Lernplattform“ vernetzt, um miteinander zu kommunizieren und ihre Forschungsprobleme und -ergebnisse austauschen zu können.

Aufnahmevoraussetzungen und Abschluss des Projektstudiums

Zugangsvoraussetzungen

  • Vollendung des 25. Lebensjahres
  • Eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • Erfolgreicher Abschluss der ZAK oder SOZAK oder eines anderen vergleichbaren Studienganges
  • Mindestens fünfjährige berufliche Tätigkeit in einem für das Studium relevanten Bereich
  • Zum Zeitpunkt der Beantragung der Zulassung berufliche Tätigkeit in einem für das partizipative Management relevanten Berufsfeld (z.B. Betätigung an der Organisation von Arbeitsprozessen, Mitarbeit in Betriebsrats- oder Gewerkschaftsgremien)
  • Entsenderorganisation als Kostenträger für den Studienplatz
  • Bereitschaft im Rahmen des Studiums individualisiert mindestens 60 Stunden Vertiefung einer europäischen Verkehrssprache nachzuweisen

Bewerbung und Zulassung

Bewerbungen sind an die Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich, Bildungshaus Jägermayrhof, Römerstraße 98, 4020 Linz zu richten.

Der Bewerbung sind folgende Unterlagen beizufügen:

  • Das Zeugnis über eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • Eine Darstellung des beruflichen Werdegangs, die besonders die Einschlägigkeit der beruflichen Tätigkeit für das berufsbegleitende Studium belegt
  • Eine schriftliche Beschreibung des Arbeitsplatzes, der Arbeitsaufgaben, des Arbeitsumfeldes und damit im Zusammenhang stehenden soziale Fragestellung (Brennpunkte, Herausforderungen, ...)
  • Die Teilnehmer/-innenauswahl in Österreich wird von der AKOÖ in Kooperation mit den entsendenden Organisationen vorgenommen - die endgültige Zulassung erfolgt durch die Aufnahmekommission der Univeristé de Strasbourg

Leistungsnachweis, Prüfungen und Abschlusszertifikat

  • Leistungsnachweise werden in der Regel in Form von schriftlichen Hausarbeiten und Referaten erbracht
  • Jeweils am Ende des ersten und zweiten Studienabschnittes ist eine Zwischenprüfung (Kleine Soutenance) abzulegen
  • Die große Diplomprüfung (Große Soutenance) erfolgt in Form einer öffentlichen „Verteidigung“ der wissenschaftlichen Abschlussarbeit vor einer Prüfungskommission.

Voraussetzung für die Zulassung zur großen Diplomprüfung ist

    • eine regelmäßige Teilnahme an den Lehrveranstaltungen,
    • eine schriftliche Dokumentation des Studienverlaufs im Studienbuch und deren Freigabe durch den/die wissenschaftliche/n Studienbegleiter/-in und
    • die Freigabe der wissenschaftlichen Abschlussarbeit durch den/die wissenschaftliche/n Studienbegleiter/-in

Nach Erbringung der Leistungsnachweise und eine als zumindest „bestanden“ gewertete große Diplomprüfung erhält der/die Teilnehmer/-in das „Diplôme des Hautes Etudes des Pratiques Sociales “ der Université de Strasbourg [ECTS Zertifizierung – 240 ECTS – Abschlussniveau BAC 4 = Matura plus 4 Studienjahre = Master 1(M1)].

Übersicht über das Projektstudium 2009-2012


Weitere Informationen:

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