Texte verständlich schreiben
Aus WIGBIT
Verständlichkeit
Bei der Formulierung von Texten steht an erster Stelle das Kriterium der Verständlichkeit. Kurze Sätze sind meistens verständlicher und angenehmer zu lesen als lange Sätze.
Nicht: Dieses Schwerpunktthema der Betriebszeitung XY ist integrierter Bestandteil einer gezielten Maßnahme, mit der die Redaktion die Zielsetzung einer schrittweisen Verbesserung unserer betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit unter Berücksichtigung von Infos und Flugblättern durch Verstärkung unserer verbalen Verständlichkeit und Innovationen im grafischen Bereich zum Zwecke der konkreten Mobilisierung des betrieblichen und öffentlichen Konfliktfeldes massiv zur Durchführung bringen will. Es geht auch verständlicher: ''Dieses Schwerpunktthema der Betriebszeitung XY zeigt, wie die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb verbessert werden kann. Flugblätter und Infos sollen in Zukunft verständlicher und die grafische Gestaltung erneuert werden.
Substantivierungen vermeiden
Hauptwörter wie
Inangriffnahme, Inaugenscheinnahme, Zugänglichmachung, Rücksichtnahme, Beinhaltung,
... klingen steif und bürokratisch.
Verben, Verben, Verben
Nicht: „Eine Mehraufwendung von Mitteln ist erforderlich.” Sondern: „Es müssen mehr Mittel eingesetzt werden.”
Nicht: „Durch die Instandsetzung des neuen Lehrlingsausbildungszentrums soll eine Verbesserung der Heranbildung neuer Mitarbeiter erzielt werden.” Sondern: ???
„Doppelt gemoppelt” - überflüssige Adjektive vermeiden
Unausbleibliche Folge
Beigefügte Anlage
Illegale, gesetzeswidrige Handlung
Der blonde, lebhafte, sparsame, erfahrene Lehrer
Adjektive sparsam verwenden! Als Faustregel gilt: nicht mehr als zwei Adjektive in einem Satz.
Sprachliche Übertreibungen vermeiden
Übertriebene Formulierungen klingen geschwollen:
zutiefst antigewerkschaftlich
mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln
heftigste Kritik
übergroße Mehrheit
Keine langen Schachtelsätze
Nicht: „Nach der von der Belegschaft lang erwarteten Eröffnung der Betriebsversammlung, die gestern wider Erwarten vom neuen Betriebsratsvorsitzenden Hermann Maier, der sich äußerst kritisch gegenüber einer Stellungnahme der Geschäftsführung äußerte, im neu errichteten Festsaal des Betriebs XY vorgenommen wurde, wurde vor allem über die geplante Kürzung des Essenszuschusses gesprochen.”
Als Faustregel gilt: Ein Satz bis zu 18 Wörtern ist leicht verständlich.
19 bis 25 Wörter sind verständlich. 25 bis 30 Wörter sind schwer verständlich. Mehr als 30 Worte sind sehr schwer verständlich.
Kein Telegrammstil
Nicht: „Die Betriebsversammlung fand im neu errichteten Festsaal statt. Die Eröffnung wurde vom neuen Betriebsratsvorsitzenden Hermann Maier vorgenommen. Er äußerte sich kritisch gegenüber einer Stellungnahme der Geschäftsführung. Die Geschäftsführung will die Essenszuschüsse kürzen...”
Die wichtigste Aussage gehört an den Anfang
Daher:
„Der neue Betriebsratsvorsitzende Hermann Maier kritisierte, dass die Geschäftsführung die Essenszuschüsse kürzen will. Die Betriebsversammlung fand im neu errichteten Festsaal statt.”
Oder: „Die Geschäftsleitung will die Essenszuschüsse kürzen", kritisierte der neue Betriebsratsvorsitzende Hermann Maier auf der Betriebsversammlung des Betriebs XY.”
Stellung der Verben im Satz
Vorsicht bei zusammengesetzen Verben mit Einschüben
Ein Beispiel:
„Der ÖGB führte, unter reger Beteiligung der Gewerkschaften und deutlich stärker als im letzten Jahr von der Presse beachtet, seinen nun zwar schon traditionellen, jedoch immer wieder abwechslungsreichen Powercup-Aktionstag in Graz, der neuen Kulturhauptstadt Europas, am 17. November 2002 durch.”
Weitere Beispiele für vermeidbare Schachtelsätze:
Nicht:
„Die Rednerin, die in ihrem Referat über die Fragen einer zukunftsorientierten Gewerkschaftspolitik sprach, kam aus Wels. ”
Sondern:
„Die Rednerin sprach (in ihrem Referat) über Fragen einer zukunftsorientierten Gewerkschaftspolitik. (Sie kam aus Wels.)”
Nicht:
„Die Frage, ob die Pensionsreform nicht nur finanzpolitisch machbar, sondern auch sozialpolitisch akzeptabel ist, wird in den Regierungsparteien heftig diskutiert.”
Sondern:
„In den Regierungsparteien wird die Frage heftig diskutiert, ob die Pensionsreform nicht nur finanzpolitisch machbar, sondern auch sozialpolitisch akzeptabel ist.”
Fachausdrücke und Fremdwörter
- Fachsprache vermeiden: Jeder Art von Fachsprache ist auszuweichen, da nicht bei allen LeserInnen dementsprechende Kenntnisse vorauszusetzen sind.
- Namen, Titel und Funktion angeben: Werden Personen im Text erwähnt, dann werden sie einmal mit dem Vor-, Nachnamen und Titel benannt; im Folgenden reicht der Nachname.
Haben sie eine Funktion, dann muss auch sie einmal aufgegriffen werden.
- Fremdwörter reduzieren - oder aber erklären.
- Abkürzungen beim ersten Mal ausschreiben - oder erklären
Gliederung
Ein gut gegliederter Text liest sich besser. Eine vorab erstellte Gliederung kann beim Schreiben helfen:
- Stichworte notieren:
Worum geht es, Was will ich sagen?
- Ordnen
- Prioritäten setzen
Genauigkeit
- Wer hat der Belegschaft mitgeteilt, dass es zu weiteren Entlassungen kommen soll?
- Welche Abteilungen haben dagegen protestiert?
Die LeserInnen wollen über folgende Dinge informiert werden:
- wer sind die handelnden Personen,
- außerdem über Orte,
- Zeitpunkte,
- Namen,
- Quellen usw.
Nachvollziehbarkeit
Nur über das schreiben, was man selbst verstanden hat. Ist sich die Verfasserin oder der Verfasser unsicher, sollten KollegInnen den Text gegenlesen.
Zitate
Lebendiger wird ein Text durch Zitate.
Literaturhinweis
Mehr Tipps zum Thema Texten bietet auch das Skriptum PGA-9: Texte, die ansprechen - Schreiben für die Betriebsratsarbeit
