Was Moderation bedeutet
Aus WIGBIT
Moderation, was ist das?
Um Moderation zu begreifen, gibt es ein einfaches Gedankenexperiment: Jemand kommt mit einem Problem zu dir. Frag ihn einmal, frag dein Gegenüber nach eigenen Ideen, nach eigenen Lösungen für das Problem. Oft wirst du zur Antwort bekommen: "Ja gerade das weiß ich ja nicht. Deswegen frage ich dich ja als Fachmann".
Lass an dieser Stelle nicht locker. Menschen reagieren oft sehr irritiert, wenn sie ein zweites Mal gefragt werden, welches Verhalten sie ganz konkret beabsichtigen. Frag trotzdem weiter: "Du hast sicherlich eine Idee.......?"
Der oder die Befragte gibt dir zwar eine Antwort, er äußert aber auch sofort einen Einwand und Skepsis. Er glaubt nicht an die eigene Ressource, die er für sich herausgefunden hat. Es findet eine Unterbewertung statt. Und genau da liegt eine der wichtigsten Aufgaben in der Moderation: Die individuellen Ressourcen der betreffenden Person zu heben.
Jetzt wirst du einwenden: "Na ja, wo ist da der Unterschied, ob ich der Person sage, was sie tun soll, oder ob sie es mir selber sagt?" Der Unterschied, der liegt auf der Hand: Für die Nachhaltigkeit einer Verhaltensveränderung ist gerade die Selbsterkenntnis von Bedeutung. Was wirkt auf dich nachhaltiger: Wenn du selbst die Möglichkeit hast, dein Verhalten zu erkennen, oder wenn dir andere Ratschläge geben und dir sagen, was für dich gut und richtig ist?
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass du dein Ergebnis eher akzeptierst und annimmst, weil es von dir selbst herausgefunden wurde.
Und was ist, wenn die Person keine Lösungsvorschläge parat hat?
Sollte die betreffende Person nun wirklich keinen Lösungsvorschlag haben, frag zunächst, ob sie eine Idee hören möchte. Dein Gegenüber wird also um Erlaubnis gefragt. Dadurch erfährt die Person eine Wertschätzung. Die Person unterscheidet selbst, ob sie Unterstützung erhält oder nicht.
Genau darum geht es bei der Moderation: Andere Menschen nur dann zu unterstützen, wenn sie es wollen. Wenn nun mein "unsicheres" Gegenüber eine Möglichkeit für sich herausgefunden hat, so frag weiter: "Welche Möglichkeit gibt es noch?".
Ja, jetzt könntest du wirklich einen Stift und ein paar Karten in die Hand nehmen. Alles, was gesagt wird, könnte für dein Gegenüber sichtbar gemacht werden, das Gespräch würde transparent gemacht werden. Du könntest die Aussagen deines Gegenübers also "visualisieren".
Du fragst auch immer weiter: "Ja, ok, eine weitere Möglichkeit". Bald wirst du sehen, dass du einige Möglichkeiten herausgefunden hast, die das Problem deines Gegenübers lösen könnten.
Du hast moderiert!
Das ist Moderation! (Definition)
- Moderation ist die Kunst, Menschen freiwillig "aus der Reserve zu locken".
- Moderation ist aber auch die Kunst, das Gespräch zwischen Menschen sinnvoll zu gestalten. Mit gezielten Fragen kommen Menschen schneller zu dem gewünschten Ergebnis. Das muss ihnen aber auch visualisiert werden, also gezeigt werden. Sie müssen das, was sie sagen, auch sehen.
- Moderation vermittelt keinen Inhalt. Mit Moderation wird ein Rahmen geschaffen, der es den Menschen ermöglicht, Inhalte selbst zu erarbeiten, auszutauschen und zu einer Struktur zusammenzufügen. Der Moderator sorgt dafür, dass Inhalte, die von den Menschen selbst stammen, das Licht der Welt erblicken. Der Moderator ist für die Methodik zuständig: "Wie mache ich das?" - Für den Inhalt sind die Menschen, die Gruppe, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuständig. In gewissem Sinne übernimmt der Moderator die Funktion eines "Geburtshelfers".
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