Was bewirken Konflikte
Aus WIGBIT
Schwarz (1997) zeigt mit einer "Konfliktdialektik" den tieferen Sinn von Konflikten.
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Konflikte machen Unterschiede bewusst
Der Sinn von Konflikten kann darin bestehen, die in Teams, Gruppen oder Organisationseinheiten vorhandenen Differenzen zu erfassen. Im Zuge einer Konfliktaustragung am Arbeitsplatz kann es zum freiwilligen oder erzwungenen Ausscheiden von MitarbeiterInnen kommen. Im besten Fall bekommen die Betroffenen eine neue Rolle in der Organisation zugewiesen. Auf jeden Fall werden Fragen aufgeworfen:
- Wie unterscheide ich mich persönlich von allen anderen?
- Wer ist für welche Tätigkeiten in der Firma zuständig?
- Wer ist besser qualifiziert?
- Wer hat mehr Durchsetzungskraft?
Konflikte steuern das Gruppenverhalten
Zum einen werden durch Konflikte die Unterschiede zwischen den Gruppenmitgliedern aufgezeigt. Auf der anderen Seite wird gerade dadurch die Gruppeneinheit (wieder) hergestellt.
Dies scheint auf dem ersten Blick widersprüchlich zu sein. Es passiert jedenfalls, dass Gruppenmitgliedern, die sich bereits in exponierter Stellung befinden oder durch abweichendes Verhalten bzw. Meinungen auffallen, die Führungs- oder Außenseiterposition (Alphaposition bzw. Sündenbock- oder Omegaposition) zugewiesen wird.
Im Zuge einer konstruktiven Konfliktbearbeitung können jene, die in diese Position gelangt sind, wieder in die Gruppe integriert werden.
Mehr dazu findet sich im "Rangdynamischen Positionsmodell" nach Raoul Schindler.
Konflikte erzeugen Komplexität
Durch Auseinandersetzungen, durch Streit während einer Konfliktaustragung, treten Interessen, Vorlieben und Bedürfnisse ungeschminkt ans Tageslicht. Eine Gruppe ist besser in der Lage, mehrere Ansichten gleichzeitig zu berücksichtigen, als dies einer Einzelperson möglich wäre.
Vergessen wir nicht: Ohne den permanenten Streit unter den Wissenschaften gäbe es weder wissenschaftliche Erkenntnisse noch Innovationen in Technik und Kultur.
Konflikte sorgen für Gemeinsamkeiten im Zusammenleben
Es hört sich paradox an, aber ohne Konflikte gibt es keine Gemeinsamkeiten in der Gesellschaft. Sicherlich möchte jede/r von uns seine/ihre Interessen durchsetzen und wird dies auch versuchen. Individualität und Eigeninitiative stehen heute hoch im Kurs und sind bis zu einem gewissen Grad für das Funktionieren eines demokratischen Staates unumgänglich.
Wenn aber die genannten Prinzipien zu stark betont werden, besteht die große Gefahr, dass andere wichtige gesellschaftliche Funktionen - wie Solidarität und Interessen im Gemeinwesen - kontinuierlich in den Hintergrund gedrängt werden.
Konflikte sorgen für Veränderungen
Es gibt in der Geschichte der Menschheit kaum eine relevante Veränderung, die nicht auf der Basis konfliktreicher Auseinandersetzungen gemacht worden wäre. Es zeigt sich, dass der Sinn von Konflikten für die Weiterentwicklung von Gruppen und Organisationen eine große Bedeutung hat. Immer dann, wenn es um Emanzipations- bzw. Ablösungsprozesse beim Einzelnen oder in Gruppen geht, treten Konflikte auf.
Das physiologische Prinzip von Spannung und Entspannung, von These und Antithese bzw. von konstruktiver versus destruktiver Kritik an bestehenden Sichtweisen garantiert zum einen Konflikte, aber auch Veränderung und die Erhaltung von Lebendigkeit.
Konflikte stabilisieren das Bestehende
Ein Sinn von Konflikten liegt auch im Stabilisieren des Bestehenden. Durch das Ausgrenzen von Personen oder durch Eliminierung neuer Ideen wird so die Einheit der Gruppe geschaffen. Immer wieder kann festgestellt werden, wie viel destruktive Energie gegenüber "AbweichlerInnen von der Norm" oder "Andersdenkenden" aufgewendet wird. Das Schicksal vieler Erfinder und weit vorausblickender Genies darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.
Siehe ergänzend dazu auch: Der Sinn von Konflikten
Zu diesem Kapitel gibt es zusammenfassend und ergänzend folgendes Interview mit dem Organisationsberater Harald Payer:
zum Audiobeitrag (07:24 Min, 8.47 MB)
Konflikte sind nützlich – Wirkungen und Funktionen.
