Was ist Web 2.0
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Web 2.0 ist das Mitmach-Web!
das ist die wohl einfachste und prägnanteste Erklärung für diesen viel diskutierten Begriff. Die folgende Abbildung zeigt, wie der deutsche Grafiker Markus Angermeier das Web 2.0 in Form einer Begriffswolke darstellt. Hier werden viele Begriffe geboten, deren Bedeutung erst nach und nach beim Verstehen des Phänomens Web 2.0 klarer wird.
Diese Grafik spiegelt den weit gefassten Begriff gut wider. Denn Web 2.0 meint keine spezielle Technik oder Software-Version und auch kein bestimmtes Design.
Vielmehr ist das Zusammenwirken von Web-Werkzeugen und die spezielle kollaborative Verwendung das, was das Web 2.0 ausmacht.
Kollaboration ist auch so ein Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig fällt: Gemeint ist die Zusammenarbeit der UserInnen, die für das Web 2.0 wesentlich ist.
Denn Web 2.0 ist eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung, die mit moderner Technik und ausgefeilter Software in Kombination steht. Viele seiner Anwendungen entstanden bereits in den 90er-Jahren – sind also gar nicht mehr so neu – jedoch können sie erst jetzt optimal von den UserInnen verwendet werden, da sie nach einer schnellen Internetanbindung verlangen, wie sie vor 15 Jahren nur selten gegeben war.
Die ExpertInnen sind sich uneinig in der Definition von Web 2.0 – so bleibt der Begriff unscharf und schwer fassbar.
Durch Tim O‘Reilly, einen irischen Softwareentwickler und Verleger, wurde der Begriff ab 2004 populär. Als wesentliche Merkmale des Web 2.0 können grob zusammengefasst werden:
- Architektur des Mitwirkens
- Nutzung als Plattform
- Kollektive Intelligenz der UserInnen
- Zugang und Zusammenstellung von Daten
- Einbeziehung der BenutzerInnen bei der Software-Entwicklung
- Offene Schnittstellen und Software, die unterschiedliche Geräte verbindet
(z. B. Handy und Computer) - Mashups
Software-Tools, die bei unterschiedlichen Anwendungen flexibel und einfach eingebunden werden können (z. B. Abonnement-Funktion auf einer anderen Webseite einbauen) - "Long-Tail"-Funktion (beispielsweise kann der Plattenverkauf durch Platzierung eines Songs im WWW angekurbelt werden. Marketing entsteht auf einer neuen Ebene: durch Google-Filter entsteht z. B. ein spezieller Werbeeffekt – Lifestyle Advertising/Targeting Marketing)
Von Web 1.0 zu Web 2.0 – vom Zusehen zum Mitwirken
Viele UserInnen sind noch im reinen RezipientInnen-Stadium (also passive/passiver EmpfängerIn, ZuhörerIn, LeserIn, ...) hängen geblieben – also im statischen Web 1.0 –, doch das Web 2.0 bietet darüber hinaus viel mehr Möglichkeiten. Durch die technischen Voraussetzungen kann jede/r UserIn das Web 2.0 mit unterschiedlichen Inhalten (= Content) anreichern. Da viele UserInnen verstärkt im Web mitmachen, kommt es zu einer permanenten Veränderung: Das Web wird dynamischer. Web 2.0 ist die Aufhebung der strikten Trennung - zwischen dem/der nur passiv agierenden UserIn und dem/der Web-DesignerIn.
Quelle: Social Networking in Plain English
Wie das Bild über soziale Netzwerke zeigt, steht also die Zusammenarbeit, die Vernetzung und in Folge auch der Austausch beim Web 2.0 im Vordergrund. Natürlich müssten auch zwischen den klein eingezeichneten Menschen noch Verbindungen gezogen sein, da sich die Leute nicht nur mit einer Person, sondern auch untereinander vernetzen.
Bedingung für diese potenzielle Vernetzung ist natürlich die technische Infrastruktur im Netz, welche diese Prozesse im Sinne von Web 2.0 ermöglicht und fördert.
Interessant für die Selbsteinschätzung sind die unterschiedlichen Typen von Web 2.0 NutzerInnen
Quelle: Broschüre "Web 2.0 - Das Mitmach-Internet sicher und verantwortungsvoll nutzen von saferinternet.at
Web-Community
Durch diese Vernetzungen entstehen die so genannten (Web-)Communities. Eine Community ist eine Gemeinschaft. Im Netz gibt es die unterschiedlichsten Arten von Communities. Manche dienen dem fachlichen Austausch (z. B. Entwicklung von Software, Anreicherung von Content bei Wikis), andere dem sozialen Austausch (z. B. facebook). Vielfach ist auch beides der Fall: z. B. die bloggende Community, die Beiträge gegenseitig kommentiert und verlinkt, Foto-, Video-, Musikcommunities, die sich ebenfalls vernetzen, um sich auszutauschen.
Warum sich diese Communities bilden und welche Ansprüche und Zwecke sie verfolgen, wird klarer, wenn in späteren Kapiteln die Funktionalitäten und Anwendungsgebiete behandelt werden. Die Gemeinschaftsbildung spielt bei allen Web-2.0-Anwendungen eine große Rolle, da das Miteinander und der Austausch eine tragende Rolle spielen.
Warum Web 2.0 in der Gewerkschaft?
Vieles im Web 2.0 basiert auf dem Zusammenwirken vieler einzelner Mitglieder der Web-Gemeinschaft: Kollektive Intelligenz, Vernetzung und Zusammenarbeit entstehen. Einmal abgesehen vom technischen Zugang: Der gewerkschaftliche Grundgedanke "Gemeinsam sind wir stark" steht der Web-2.0-Philosophie sehr nahe.
Im englischsprachigen Raum sind Web-2.0-Instrumente aus der Gewerkschaftsbewegung nicht mehr wegzudenken. Und auch im deutschsprachigen Raum nimmt das Interesse an Web-2.0-Tools (= Werkzeugen) zu. Ein Beispiel aus der Praxis:
Zu der VÖGB-Diskussionsveranstaltung "Steuerreform" wurde ein Web-Log (= spezielle Seite im Internet) erstellt:
Hier wurden relevante
- Unterlagen und Links verfügbar gemacht,
- Fotos von der Diskussion hineingestellt und
- Beiträge zum Thema geschrieben.
Da sich viele TeilnehmerInnen intensiv für die Materie interessierten, entstand ein reger Austausch im Steuerblog: Über zwanzig neue Aspekte wurden im Nachhinein noch auf dem Weblog von Interessierten angesprochen und aufgezeigt.
Mit Hilfe von einfach erstellbaren Seiten im Web kann also ohne großen Aufwand ein wirkungsvolles Instrument der Gewerkschaftsarbeit geschaffen werden.
BetriebsrätInnen nutzen vermehrt ein solches virtuelles "schwarzes Brett" (Betriebsratsblog), auf dem
- kommentiert werden kann,
- eine von den herkömmlichen Medien unabhängige Öffentlichkeit entsteht und
- auch die Kommunikation zwischen Betriebsrat und ArbeitnehmerInnen gefördert wird.
Die Anwendungsmöglichkeiten im Web 2.0 gehen sicher über das Schreiben eines Blogs hinaus – kurz gesagt: Für die gewerkschaftliche Arbeit bringt es zusätzliche Chancen und zusätzliche Möglichkeiten, die für eine zielorientierte Anwendung bereitstehen.
Zudem wird es zunehmend wichtig zu wissen, wie moderne Kommunikationswege aussehen. Nicht zuletzt auch, um richtig damit umzugehen, denn das Internet hat auch seine Schattenseiten. Oft werden unbedacht (private und berufliche) Informationen ins Netz gestellt; die Folge ist der "gläserne Mensch". Ein verantwortungsvoller und bewusster Umgang mit Web 2.0 ist also wichtig, denn Daten, die einmal im Netz gelandet sind, sind schwer wieder zu eliminieren.
Im alltäglichen Leben hat Web 2.0 einiges verändert
In den letzten 50 Jahren hat sich der Zugang zu Wissen und Information in unglaublicher Form erweitert. Für uns heutzutage sehr seltsam: Meine Mutter wollte als 8-jähriges Kind eine geschenkte Banane als Ganzes essen, mitsamt der Schale – ihr war diese exotische Frucht völlig fremd. Als sie das mal erzählte, war das für mich wirklich "aus einer anderen Welt"… heute kann jedes Kind – auf Knopfdruck – Informationen zu (fast) allen erdenklichen Begriffen und Themen abrufen – etwa auf wikipedia.org, der freien Online-Enzyklopädie auf die wir später zu sprechen kommen, in 250 Sprachen.
Wenn ich im Jahr 2009 Kontakt zu einer Person aufnehmen möchte, ist dies schneller und unkomplizierter möglich als je zuvor. Selbst wenn ich sie vor über zehn Jahren irgendwo am anderen Ende der Welt getroffen habe und ich nichts weiter weiß als ihren Namen: Ich registriere mich auf einer Social-Network-Plattform und gebe den gesuchten Namen ein.
Etwa über facebook (internationales Online-Netzwerk - siehe späteres Kapitel) kann ich innerhalb von Sekunden Kontakt mit einer Frau in New York aufnehmen, die ich über ein Jahrzehnt nicht gesehen habe. Voraussetzung ist natürlich, dass sich diese junge New Yorkerin in diesem Online-Netzwerk registriert hat.
Internetverweigerer wird man so nicht aufspüren, aber wenn die gesuchte Person jung, oder richtiger: internetaffin ist, stehen die Chancen gut, dass ich ihr Profil in einem der zahlreichen sozialen Netzwerke finde. Noch vor wenigen Jahren hätte es einer aufwendigen Korrespondenz und viel Kommunikation bedurft, um solche Informationen über eine Person herauszufinden.
Diese Beispiele zeigen, wie stark sich die Informationsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt haben. Und auch, warum im Zusammenhang mit Web 2.0 oft Worte wie "global village" fallen, also "globales Dorf". Unter bestimmten Voraussetzungen: Registrierung in einer Social Network-Plattform – wird die Welt von Web 2.0 tatsächlich so stark vernetzt, wie dies im Leben sonst meist nur einer dörflichen Gemeinschaft möglich ist.
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