Weblogs
Aus WIGBIT
Wie in den vorangegangenen Kapiteln deutlich wurde, ist ein wesentliches Merkmal von Web 2.0 die Möglichkeit, Inhalte zu publizieren. In der Netz-Sprache werden Inhalte meist mit dem englischen Fachausdruck „Content“ bezeichnet. Grundlegend kann unterschieden werden:
- Paid Content (kostenpflichtiger Inhalt – Archive von vielen kommerziellen Online-Medien sind beispielsweise häufig kos-tenpflichtig)
- Open Content (kostenfreier Inhalt)
Häufig ist auch die Rede von User Generated Content, das sind Inhalte, die von UserInnen ins Netz gestellt und/oder selbst erstellt sind.
Der Inhalt ("Content") kann ganz unterschiedliche Form haben:
- Text
- Bild
- Audio
- Video
Im Web 2.0 kann der/die UserIn seinen/ihren Content auf verschiedenen Plattformen und somit öffentlich zur Diskussion stellen. Es gibt mittlerweile unzählige Plattformen, die auch für den Laien userInnenfreundlich gestaltet sind. Das ist auch so ein Phänomen von Web 2.0: Auf BenutzerInnenfreundlichkeit wird bewusst viel Wert gelegt, um die Seiten auch für User-NormalverbraucherInnen zugänglich zu machen.
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Eigenschaften
Eine dieser Plattformen, auf welchen Content verfügbar gemacht werden kann, sind Blogs. Diese Art von Plattform hat sich seit 1999 entwickelt und erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit. Ihre weite Verbreitung erklärt sich aus einigen grundlegenden Eigenschaften der meisten Blogplattformen:
- Einfache Benutzung: Erstellung einer eigenen Seite im Web ohne Programmierkenntnisse
- weitgehend Kostenfrei: zusätzliche Funktionen können angekauft werden
- Mashup-Möglichkeiten: externe Funktionen können eingebaut werden
- Multimedial
zum Begriff
Ein Blog ist
- eine Webseite mit chronologisch geordneten Beiträgen
- und wird regelmäßig aktualisiert
Wie beispielsweise der Blog des gedido (gesellschaftspolitischen Diskussionsforums) :
- Blog
- "Web" + "log"(log von Logbuch/Tagebuch) = Weblog = Blog
- bloggen
- Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog
- BloggerInnen
- UserInnen, die einen Blog betreiben
- Blogosphäre
- Gesamtheit der Weblogs und ihrer Verbindungen
Ein Blog ist wie ein virtuelles "Tagebuch" zu verstehen. Der/Die BloggerIn erstellt einen Blog und bloggt seinen/ihren Content. Die Postings (= Einträge im Blog) erscheinen chronologisch auf der Seite. Man kann es sich tatsächlich wie ein Tagebuch oder ein Logbuch vorstellen, wo nach und nach immer mehr Beiträge hinzukommen. Der/Die BloggerIn kann seinen/ihren LeserInnen auch die Möglichkeit geben, Kommentare zu schreiben. So kann auch eine Diskussion dazu entstehen.
Darüber hinaus können Blogs mit zusätzlichen Funktionen (z. B. Suchfunktion, Community-Tools etc.) ausgestattet werden. Viele dieser Widgets (auch "Applet" = kleines Computerprogramm, das eine Funktion ausführt) werden standardmäßig vom Bloganbieter zur Verfügung gestellt und können einfach aktiviert werden. Zusätzliche Dienste können so auch von anderen Anbietern (z. B. feedburner.com -> für Mail-Abo-Funktion) einfach implementiert (= eingebettet) werden. So kann der/die BloggerIn einen – auf seine/ihre Bedürfnisse abgestimmten – individuellen Weblog erstellen.
Einen Vergleich von Blogs mit anderen so genannten Redaktionssystemen (Content Management Systems, kurz CMS) bietet diese Vergleichstabelle. (Quelle: wiki.computerwoche.de)
Besonderheiten
- Im Gegensatz zu herkömmlichen Homepages braucht der/die UserIn für die Erstellung eines Blogs keine Programmiersprachenkenntnisse. Die Blog-Plattformen sind so angelegt, dass der interessierte Laie völlig selbstständig im Web publizieren kann. Die Erstellung, Adaptierung und Befüllung des Blogs kann der/die BloggerIn selbstständig durchführen.
- Im Unterschied zu anderen Foren bestimmt aber der/die BloggerIn das Thema. Oder bildlich gesprochen: Ich lade zu einer Kostümparty (Thema) in mein Haus ein (Blog) und meine Gäste sind aufgefordert, in Verkleidung zu kommen. Im Unterschied zu Foren ist der Blog also mein "Haus", in das ich einlade, und hier herrschen meine Regeln. Es sind also meine Vorgaben – zu welchen Themen ich poste (= neuen Artikel online stelle) und ob ich meine LeserInnen kommentieren lasse oder nicht.
- Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten erfährt der Blog im Web gerade einen ziemlichen Boom: So entstehen weltweit täglich 75.000 neue Blogs (lt. Technorati, einer der prominentesten Blog-Suchmaschinen) – viele sind ganz normale UserInnen, also Privatpersonen, die auf ihren Blog ein Tagebuch schreiben. Diese enorme Nutzung ist im deutschsprachigen Raum allerdings erst in den Kinderschuhen. Zudem gibt es auch keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele dieser 75.000 Blogs tatsächlich regelmäßig befüllt und gelesen werden.
Verwendung
Viele Blogs werden nach wie vor privat genutzt – also tatsächlich wie ein Tagebuch: So schreiben BloggerInnen über Dinge, von denen sie innerlich bewegt wurden, oder Inhalte, die ihnen wichtig erscheinen oder die sie anderen mitteilen wollen.
Neben der tagebuchartigen Nutzung von Blogs gibt es noch viele andere Typen und Zuordnungen, z. B.:
- Corporate Blogs (offizielle Firmenblogs),
- Litblogs (über Literatur mit Empfehlungen, Rezensionen),
- Projektblogs (bezogen auf bestimmte Projekte), Wahlblogs (zu einem Wahlkampf) und so weiter.
Exemplarisch werden nachstehend drei Arten von Blogs vorgestellt, die insbesondere auch für die gewerkschaftliche Arbeit interessant sein können:
Watchblogs

Quelle: medienschelte.at
Häufig ist die Motivation für das Betreiben eines Blogs, kritisch zu beobachten: Für solche Weblogs hat sich die Bezeichnung „Watchblog“ eingebürgert. Besonders die von Medien verbreiteten „Wahrheiten“ werden durch Watchblogs geprüft und hinterfragt. In Österreich haben beispielsweise zwei Jungjournalisten den Blog medienschelte.at ins Leben gerufen. Dort werden regelmäßig Beiträge aus der österreichischen Boulevardpresse auf ihre Seriosität hin untersucht. Unter Beobachtung stehen aber nicht nur Medien, sondern auch Betriebe: Mittlerweile gibt es im deutschsprachigen Raum auch gewerkschaftliche Blogs, die Betriebe kritisch beobachten. So wurde beispielsweise von der deutschen Gewerkschaft ver.di ein Blog zur Firma Lidl eingerichtet. Es ist für die MitarbeiterInnen dieser – in Kritik geratenen – Diskonterkette eine neue und angenehme Erfahrung, dass ihre Äußerungen auf diesem Weg bei der Öffentlichkeit ankommen, was etwa über die Leserbriefseiten der werbeabhängigen Presse durchaus nicht so häufig der Fall sein muss (siehe auch verdi-blog.de).
Jedenfalls: Im gewerkschaftlichen Umfeld sind Blogs international bereits ein beliebtes Instrument. Und auch in Österreich sind bereits zahlreiche solche Blogs entstanden:
Betriebsrats-Blogs
Blogs einzelner Betriebsratskörperschaften wie z. B. der BR-Blog für das wissenschaftliche Personal der Medizinischen Universität Wien:

Gewerkschaftsblogs
Sie sollen die Gewerkschaftsarbeit fördern und unterstützen:
Beispielsweise werden Blogs in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit eingesetzt, um die Diskussion zu fördern und auf (Veranstaltungs- und Bildungs-)Angebote aufmerksam zu machen. Darüber hinaus ist die Blog-Nutzung für den gewerkschaftlichen Bereich auf unterschiedlichsten Ebenen denkbar:
- als Kollektivvertrags-Verhandlungs-Blog, um über aktuelle Entwicklungen zu informieren,
- als Watchblogs zu Betrieben, um auf Missstände aufmerksam zu machen,
- als Projektblogs, um überregionale Zusammenarbeit, Kommunikation und Koordination zu erleichtern etc.
Plattformen
Welche Plattformen für Blogs gibt es?
Viele: Wer sich dazu entschlossen hat, einen eigenen Blog zu schreiben, kann sich einen Blog-Anbieter aussuchen. Welcher das ist, hängt vom persönlichen Geschmack und von der benötigten Funktionalität ab. Die meisten Anbieter sind bereits sehr nutzerInnenfreundlich und viele haben eine kostenfreie Version; manchmal sogar mit einem ähnlichen Gebrauchswert wie die kostenpflichtige, manchmal aber auch mit signifikanten Unterschieden. Nachstehend eine kleine Auswahl von Weblog-Hosting-Services:
blogger.com
Eines der ersten Blogsysteme, mit dem auf einfache Weise Blogs erstellt werden können. Zum kostenfreien Grunddienst können Erweiterungen hinzugekauft werden. Blogger wurde 2003 von Google gekauft.
twoday.net
Seit 2003 gibt es den Weblog-Hosting-Service twoday.net von der österreichischen Knallgrau New Media Solutions GmbH. Wie bei vielen anderen Bloganbietern gibt es auch bei twoday.net eine kostenfreie Basisfassung und zusätzliche kostenpflichtige Erweiterungen. Twoday bietet sehr gute Möglichkeiten, einen Blog offen und gemeinschaftlich zu nutzen; z. B. Themenblog bildung.twoday.net
blogspot.com
Dieses Blog-System gehört zu Google und wird in vielen verschiedenen Sprachen angeboten. Zur Eröffnung eines kostenfreien Blogs benötigst du einen Google-Account.
blog-erstellen.com
Auch auf blog-erstellen.com kann kostenfrei ein Blog angelegt werden. Bei dieser Plattform werden automatisch Google-AdSense-Anzeigen eingeblendet – der/die AutorIn des Blogbeitrags wird mit 50 % an den Werbeeinnahmen beteiligt.
blog.de
Auf blog.de kann innerhalb weniger Minuten ein Blog gratis erstellt werden. Auch hier gibt es (kostenpflichtige) Erweiterungsoptionen.
wordpress.com
Wordpress eignet sich aufgrund vieler Funktionen gut für den gewerkschaftlichen Bereich. Dieses Skriptum konzentriert sich auf diese Plattform, da nicht auf jeden einzelnen Anbieter im Detail eingegangen werden kann.
Es gibt einige kommerzielle Bloghandbücher zu unterschiedlichen Anbietern, die Hilfestellung im Detail bieten. Zudem haben viele Blogplattformen Foren, wo sich die BloggerInnen auch untereinander Hilfestellung geben.
Jede/r BloggerIn bekommt standardmäßig eine Web-Adresse nach folgendem Prinzip zugeordnet:
bei blog.de: wunschname.blog.de
bei blogger.com: wunschname.blogspot.com
bei wordpress.com: wunschname.wordpress.com
und so weiter.
Diese Liste von Weblog-Hosting-Services könnte noch lange fortgesetzt werden. Viele BR-Blogs laufen bereits auf wordpress.com.
Für die Plattform wordpress wird ein Bloghandbuch von der GPA-djp für den gewerkschaftlichen Bereich erstellt. Betriebsräte/-rätinnen können so auf Schritt für Schritt im Detail nachlesen, wie sie ihren Blog erstellen können. Hier findet der/die bloggende Betriebsrat/-rätin erste Hilfestellungen, aber auch Tipps und Tricks für den/die Profi-BloggerIn. Beispielsweise, wie und welche externen Tools (z. B. Mail-Abo-Funktion) eingebaut werden können.
Praktische Arbeit
Im nachstehenden praktischen Beispiel wird exemplarisch Schritt für Schritt die Erstellung eines einfachen Blogs beschrieben. Die Entstehung eines Blogs sollte immer als Entwicklungsprozess gesehen werden. In der Websprache werden Anwendungen, die sich in der (Weiter-)Entwicklungsphase befinden, auch Beta-Version genannt. Das bedeutet, dass ein Dienst vielleicht bereits im Einsatz ist, jedoch immer noch weiterentwickelt wird.
Insbesondere Web-2.0-Anwendungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich ständig verändern und verbessern. Das betrifft natürlich auch Blog-Plattformen – so ist es möglich, dass die Screenshots in diesem Skriptum in der Realität bereits anders aussehen. Häufig ändern sich jedoch nur grafische Elemente, die Oberfläche wird benutzerInnenfreundlicher und neue Features (= Funktionen) kommen hinzu.
Ein Blog befindet sich immer in einer Beta-Phase – da er sich durch neue Inhalte und Adaptierungen in den Funktionalitäten permanent ändert.
Ein Beispiel: Eine Betriebsratskörperschaft schreibt in den neuen Blog für die MitarbeiterInnen wöchentlich einen Beitrag – nach zwei Monaten installiert der/die BR-Blog-AdministratorIn ein Blog-Archiv, damit alte Beiträge leicht gefunden werden können. So entwickelt sich der Blog nach Bedarf weiter.
Bei einem BR-Blog macht es Sinn, ein Konzept zu erstellen, um ein Grundgerüst für die praktische Arbeit am Blog zu haben.
Als allererster Schritt ist die Sichtung und Analyse einiger bestehender Blogs sinnvoll. So kann erhoben werden, wie andere Blogs aussehen – was gefällt und was nicht.
Einige Kriterien für diese Analyse:
- interessant? relevant? gut rüber gebracht?
- Übersichtlichkeit
- Design
- Inhalte
- ist die Oberfläche der Webseite BenutzerInnenfreundlich?
- Usability
Am Beispiel des Tchibo-Angestellten-BR-Blogs:

Eine Linksammlung zu bestehenden BR-Blogs entsteht auf skriptum20.wordpress.com
- Weiter im Kurs "Web 2.0 - virtuelle Kommunikation", Kapitel: Publizieren im Web 2.0, Blog-Konzept
- Zum Inhaltsverzeichnis des Kurses "Web 2.0 - virtuelle Kommunikation"


