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Weitere Anwendungen

Das Wort "Strategie" wird im NLP benutzt, um zu beschreiben, wie Menschen ihre inneren und äußeren Bilder, Geräusche, Gefühle, den Geruch und den Geschmack in eine bestimmte Reihenfolge bringen. Diese Reihenfolge produziert dann ein Verhalten oder einen Gedanken.


Inhaltsverzeichnis

TOTE-Modell

Das Strategie-Modell des NLP beruht auf dem so genannten TOTE-Modell, einem Modell aus der Kybernetik, das Prozesse als Abfolge von vier Phasen versteht. Die Phasen heißen

  • Test
  • Operate
  • Test
  • Exit.

Ein Beispiel dafür aus dem Alltag wäre folgender Ablauf:

TEST
Eine Person hört ein Wort ...

OPERATE
... und konstruiert daraus ein visuelles Bild des Wortes.

TEST
Die Person vergleicht dann das Bild mit der Erinnerung an ein Wort, das er/sie schon gesehen hat. Stimmen die Bilder überein, ist der Test positiv ausgefallen ...

EXIT
und das Wort wird hingeschrieben.

Der ganze Prozess kann sehr schnell ablaufen, manchmal in Bruchteilen von Sekunden.

Das Schreibbeispiel war eine Anwendung, über die wir im Alltag gar nicht erst nachzudenken brauchen. Die ablaufenden Prozesse haben sich bereits verinnerlicht.

TOTE-Strategien können dir auch bei deiner täglichen Betriebsratsarbeit helfen.

Hierzu folgt ein zugegebenermaßen =>> vereinfachtes Beispiel, welches der Idealsituation entspräche. Häufig wirst du jedoch die „Test-Operate-Test"-Phase =>> mehrmals wiederholen] müssen, um ans Ziel zu gelangen.

Strategien

NLP beschreibt viele innere und äußere Prozesse nach diesem Schema. Typische und wichtige Strategien sind Sequenzen, die ablaufen, wenn wir

  • uns entscheiden,
  • uns motivieren,
  • etwas Neues lernen,
  • uns erinnern,
  • etwas für wahr halten
  • u. a.

Dabei wird der Begriff „Strategie" in einem sehr weiten Sinn verwendet. Strategien können schnell ablaufende Sequenzen sein (z.B. Schreiben).

Strategien können auch Prozesse bezeichnen, die lange Zeit andauern (z.B. die Durchführung eines mehrjährigen Projektes).

In der Arbeit mit Strategien geht NLP davon aus, dass

  • es möglich ist, individuelle mentale Strategien zu erkunden;
  • sich ein und dieselbe Strategie in unterschiedlichen Kontexten anwenden lässt;
  • es möglich ist, bestehende Strategien zu adaptieren oder neue Strategien zu entwerfen;
  • man die neu entworfenen Strategien einer Person unbewusst zugänglich machen kann;
  • gewünschte Veränderungen oftmals durch eine Veränderung von Strategien erreicht werden können.


Du kannst deine Strategien erkunden, indem du dich darauf konzentrierst, einen Prozess (z.B. eine Entscheidung) langsam (zeitverzögert) zu wiederholen und zu beschreiben. Wenn du deine Wahrnehmung für die ablaufenden Prozesse schärfst, dann wird es dir leichter fallen, Strategien zu erkennen.

Tipp:
Dein gewünschtes Ziel sollte ausdrücklich enthalten sein, sonst bleibt die Veränderung vage und unspezifisch. Außerdem solltest du die drei wichtigsten Repräsentationssysteme ( visuell, auditiv, kinästhetisch) einbeziehen. Das heißt, du solltest alle deine Systeme optimal nutzen.


Reframing

Zitat:
Ständig mehr desselben zu tun, ist nicht genug. (Paul Watzlawick)

Was wir in einer Situation denken oder tun, hängt häufig davon ab, wie wir eine Situation wahrnehmen und welchen Bezug wir dabei herstellen. Unser persönliches Umfeld und unsere früheren Erfahrungen wirken dabei wie ein Filter. Dieser Bezug beeinflusst maßgeblich die Bewertung unserer Realität.

Die Worte „Lehnen Sie sich entspannt zurück!“ entwickeln im Konzertsaal eine andere Wirkung als beim Zahnarzt. Strahlender Sonnenschein wird vom/von einer BauarbeiterIn beim Asphaltieren anders empfunden als von einem Badegast am See.

Die Bedeutung einer Tatsache hängt immer vom Bezug, also vom Rahmen ab. Wechselt der Rahmen, dann wechselt auch die Bedeutung.

Mit diesem Reframing hat David Beckham wohl nicht gerechnet ...

--> Verlinkung auf Grafik und Video

Beim Reframing kommt der Sprache wieder besondere Bedeutung zu.

Ist eine Führungskraft der Überzeugung, dass ein/e MitarbeiterIn zu stur sei, gilt es Situationen zu finden, in denen Sturheit nützlich sein kann. Zum Beispiel kann diese/r MitarbeiterIn nützlich sein, wenn ein Kunde oder eine Kundin bei Verhandlungen den Preis ins Bodenlose drücken will. So ist es möglich, dass die Führungskraft ein positives Gefühl für die abgelehnte Eigenschaft entwickelt.

Viele Menschen hadern mit ihren „negativen" Eigenschaften oder Missgeschicken und sind deshalb nicht in der Lage, die Kehrseite, also das Gute am Schlechten wahrzunehmen. Dies hat zur Folge, dass die beschränkten Energien im Kampf gegen sich selbst, gegen die Situation und gegen andere aufgebraucht werden.

Tipp:
Die Frage, die eine Wende möglich macht, lautet: Was ist das Gute am Schlechten? Mit dieser Frage wird im Gehirn Platz gemacht für neue Ideen oder Möglichkeiten.

Positive Absicht – Passender Rahmen

Hinter der Überschrift stehen zwei der Grundannahmen im NLP:

  • Die Annahme der Positiven Absicht:
    Hinter jedem Verhalten, hinter jeder problematischen Situation, hinter jeder „negativen" Eigenschaft steckt eine unbewusste positive Absicht oder liegen positive Eigenschaften versteckt.
  • Die Annahme der Problemlösung:
    Menschen verfügen bereits über alle Ressourcen, die sie brauchen, um erwünschte Veränderungen zu vollziehen.

Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wo genau der richtige Einsatzort und Zeitpunkt für das ist, was in einer bestimmten Situation nicht passt.

Merke:
Reframing ist also ein positives Werten im Wissen, dass nahezu jedes Verhalten in irgendeiner Situation sinnvoll und berechtigt ist.

Wahrnehmung ist ein phantasievoller Prozess. Erfolgreichsein bedeutet, für jede Situation den nützlichen Rahmen zu finden.

Eine kleine =>> Geschichte über einen großen Menschen

Zu oft neigen wir dazu, Dinge die uns belasten, immer wieder in denselben (negativen) Bezug zu bringen, das heißt in denselben Rahmen zu stellen. Meist sind es die größten Chancen im Leben, die perfekt als Probleme getarnt sind.

Reframingarten

Versuche, deine Wahrnehmung bewusst darauf zu trainieren, das für dich Vorteilhafte und nicht das Einschränkende wahrzunehmen. Erkenne vermeintliche Fehler als Feedback, als Teil einer Erfahrung, die du gerade eben machen durftest. Frage dich:

  • Was ist daran positiv?
  • Was kann ich daraus lernen?
  • Wofür ist das eine Gelegenheit?
Achtung:
Reframing scheitert, wenn etwas Negatives lediglich anders benannt wird. Außerdem darf durch ein gelungenes Reframing einem/einer GesprächspartnerIn seine/ihre Klagefähigkeit nicht weggenommen werden. Oft ist es schon hilfreich, über ein Problem sprechen zu können, ohne gleich über Lösungen nachzudenken.

Es gibt mehrere Arten des Umdeutens:

  • Kontextreframing und
  • Bedeutungsreframing.

Kontextreframing

Eine kleine =>> Geschichte über eine große Erfindung

Beim Kontextreframing bleibt die Problemdeutung, aber der Zusammenhang (Kontext) wird geändert. Unerwünschtes Verhalten im Kontext A (z.B. Büro) wird auf seine Nützlichkeit in anderen Kontexten geprüft. Dasselbe Verhalten kann im Kontext B (z.B. Freizeit) nützlich sein und dort gewürdigt und akzeptiert werden. Damit wird im Kontext A Platz gemacht für ein neues Verhalten.

Nahezu alle Verhaltensweisen sind irgendwo sinnvoll! Frage dich deshalb:

  • In welcher Situation ist gerade dieses Verhalten wichtig?
  • Wann, wo wäre dieses Verhalten nützlich?
  • Wo wäre es gut, dass ich XY kann?
  • In welcher Situation ist es eine kunstvolle Fähigkeit?
  • In welcher Situation ist es sinnvoll und angemessen?

Du kannst diese Art des Umdeutens anwenden bei Formulierungen wie beispielsweise: „Ich bin immer zu ..."

  • Ich bin zu bequem.
    Lösungsmöglichkeit: Gut Ding braucht Weile. Du verstehst es zu genießen.
  • Ich bin oft zu ungeduldig.
    Lösungsmöglichkeit: Dafür bekommst du immer alles als Erster.

Bedeutungsreframing

Anders als beim Kontextreframing wird dabei die Problemdeutung geändert, der Zusammenhang aber bleibt bestehen. Eine Aussage oder Situation wird unter alternativen Perspektiven betrachtet. Der Inhalt einer Erfahrung ist alles, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Die Bedeutung kann alles, was du möchtest. Nahezu alle Verhaltensweisen oder Erfahrungen haben in der Situation auch eine positive Bedeutung! Frage dich deshalb zuerst:

  • Wofür ist das gut?
  • Was könnte das noch bedeuten?
  • Was ist gut daran, dass XY passiert ist?
  • Was tut es Gutes für Dich? Was ist das Gute am Schlechten?
  • Was erreiche ich dadurch?
  • Was ist der positive Wert dieses Verhaltens/dieser Erfahrung?
  • Was würde mir fehlen, gäbe es das Problem nicht mehr?

Und so kannst du Bedeutungsreframing anwenden:

  • Ich bekomme Panik, wenn ein Abgabetermin naht.
    Lösungsmöglichkeit: Vielleicht ist das deine Lösung, um keinen Termin zu verpassen.
  • Ich werde sauer, wenn Leute Forderungen an mich stellen.
    Lösungsmöglichkeit: Du weißt wo deine Grenzen sind und lässt dich nicht überfordern.

Reframing in der Politik:

Politik ist die Kunst des Reframings par excellence. Gute Wirtschaftsdaten können vom Politiker A als Ausnahme interpretiert werden, wenn er einen Abwärtstrend aufzeigen will, oder aber von Politiker B als Zeichen der Hochkonjunktur – je nachdem, auf welcher Seite des Parlaments sie sitzen.

Denn: Hohe Zinsen sind gut für Sparer, aber schlecht für Leute, die Geld leihen wollen.

Merke:
Einfache Umdeutungen bewirken nicht immer drastische Veränderungen. Werden allerdings wichtige Fragen aufgeworfen bzw. eine treffende Metapher gefunden, kann Reframing sehr effektiv sein.

Modeling

Am Anfang von NLP stand das Modelling besonders erfolgreicher KommunikatorInnen. Modelling entwickelte sich zu einem Verfahren, das Spitzenleistungen durchschaubar und nachvollziehbar macht – zunächst im Bereich der Kommunikation, später auch in vielen anderen Bereichen. Und das geht so:

Frage dich:

  • Was macht Menschen erfolgreich? Welche Fähigkeiten sind das genau?
  • Wie erzielen erfolgreiche Menschen ihre Ergebnisse?
  • Warum verhalten sie sich so und nicht anders?
  • Was tun eigentlich jene Menschen, die in diesem Bereich nicht erfolgreich sind?
  • Was ist eigentlich der Unterschied, der den Unterschied ausmacht?

In immer feineren Schritten wird so das Modell analysiert. Je mehr NLP-Techniken du kennst und beherrscht, umso feiner kann die Analyse ausfallen.

Merke:
Voraussetzungen für gelungenes Modelling sind außerdem Klarheit über die Fähigkeit, die modelliert werden soll und die eigenen Absichten damit.

Gute Rede

Wenn du eine tolle Rede hörst, scheue dich nicht, die Dinge, die dir gefallen haben, einfach abzukupfern. Kaum jemand erfindet etwas neu. Die meisten Menschen adaptieren, verändern und erweitern die vorhandenen Vorbilder.

Also los: Öffne deine Sinneskanäle. Versetze dich in die Person, die du modellieren möchtest und finde Antworten auf diese Fragen:

  • Was habe ich als gut wahrgenommen?
    (Sprachmuster, Metaphern, Stimmklang, Mimik, Gestik)
  • Wie hat die Rede ihre Wirkung erzielt?
    (Strategien, Aufbau)
  • Warum hat der/die RednerIn so gehandelt? In welchem internen Zustand befand sich der/die RednerIn, welche Werte stecken dahinter?
  • Was machen schlechte RednerInnen permanent?
  • Was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesen schlechten RednerInnen und meinem Vorbild?
  • Was davon kann ich schon bei meiner nächsten Rede selbst verwenden?

Nachfragen

Eine der einfachsten Möglichkeiten, Fähigkeiten zu modellieren besteht darin, dein Vorbild zu fragen, warum er/sie das tut, was er/sie tut. Doch sehr häufig werden wir darauf nicht die Antwort bekommen, die wir uns erwarten. Frage daher Menschen, von denen du lernen möchtest, stets, wie sie das tun, was sie tun.

Eine kleine =>> Geschichte über einen großen Künstler

Modelle sollen einfach und überprüfbar sein. Man braucht nicht zu wissen, warum sie funktionieren, genauso wenig wie man wissen muss, wie Autos funktionieren, wenn man damit fahren will.

Wenn du ein Verhalten modellieren und für dich anwendbar machst, darf ein Ökocheck nicht fehlen. Du solltest dir selbst die Frage stellen, ob das neue Verhalten auch zu dir passt.

Anker

Emotionale Zustände haben machtvollen und dauerhaften Einfluss auf das Denken und das Verhalten.

NLP geht von der Annahme aus, dass alle Erfahrungen und Erlebnisse als sinnliche Informationen wahrgenommen, repräsentiert und gespeichert werden. Einen Reiz, der eine bestimmte Reaktion auslöst, nennt man Anker. Natürliche Anker sind zum Beispiel

  • Farben, die eine bestimmte Stimmung auslösen,
  • Musik, die aktiviert oder beruhigt
  • ein Geruch, der an ein bestimmtes Erlebnis erinnert.

Weitere Beispiele aus dem Alltag:

  • Wenn eine Schulglocke läutet, denken wir sofort an eine Pause.
  • Der Geruch von Lebkuchen lässt uns an Weihnachten denken.
  • Wir sehen eine rote Ampel und bleiben stehen – na ja, oder zumindest meistens ...

Es wird also eine Reaktion ausgelöst, die tief verankert ist.

Anker sind demnach externe Auslöser, die eine interne Wirkung hervorrufen. Werbung ist ein gutes Beispiel für die Wirkung von Ankern. Werbung produziert sinnliche Reize:

  • Bilder von sympathischen Menschen und schönen Landschaften,
  • das Logo des Produktes,
  • markante Stimmen.

Die Werbeindustrie versucht Anker zu setzen, die bei uns positive Gefühle hervorrufen, die wir unbewusst mit dem Produkt verbinden. Im Geschäft soll das Logo des Produktes bei uns die angenehme Stimmung auslösen, die uns durch die Werbung vermittelt wurde – und tatsächlich: wir kaufen.

Natürliche Anker lenken uns automatisch und meist unbewusst. Diese im Alltag zu finden, ist eine Anwendungsmöglichkeit des Ankerns. Wenn du die genauen Anker und die jeweils ausgelöste Stimmung kennst, kann dir dies bei der Analyse von Problemen behilflich sein.

  • Was genau löst die schlechte Stimmung aus, wenn ich mit einem bestimmten Menschen zusammen bin?
  • Was genau muss ich sehen, hören, fühlen, um dieses Gefühl zu bekommen?

Das Ankerkonzept des NLP schafft Verständnis für viele zwischenmenschliche Prozesse im Alltag: Es zeigt, wie Personen sich selbst und andere beeinflussen, indem sie – oft unbewusst – Anker setzen und damit bei sich und anderen innere Zustände auslösen. Die Kenntnis von solchen Ankern hilft, eigene Reaktionen sowie die Reaktionen anderer besser zu verstehen.

Selbst-Anker setzen

Wenn eine Person einen Anker selber setzt, dann spricht man von Selbst-Anker. Ein Beispiel dafür ist der Glücksanker:

  • Versetze dich selber in einen guten Zustand (z.B. Selbstbewusstsein), indem du dich ganz auf deine positiven Eigenschaften konzentrierst und an etwas denkst, das du gut kannst.
  • Setze nun einen Anker, indem du dieses gute Gefühl mit einem bestimmten Reiz verbindest. (Zum Beispiel eine kleine Drehung der rechten Hand.)
  • Wiederhole diese Übung immer wieder, bis die kleine Handbewegung allein das gute Gefühl auslöst.

Wenn du das nächste Mal in einer Situation bist, die dich verunsichert (z.B. bei einer öffentlichen Rede), dann löse einfach durch die Bewegung der Hand den Anker aus, und nütze das gute Gefühl für dich. Am Einfachsten ist es natürlich, den Anker zu setzen, wenn du dich gerade im gewünschten Zustand befindest (z.B. Erfolg, Ruhe, Entspannung, Freude). Diese Gefühle können dann bei passenden Gelegenheiten leicht abgerufen werden.

Augenzugangshinweise

Merke:
Augen sagen mehr, als Ohren hören.

Schon früh bemerkte man, dass es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Denkprozessen und den Bewegungen der Augen gibt. Die Augenstellung kann Hinweise darauf geben, welche inneren Prozesse gerade bei einer Person ablaufen und durch welche Sinneswahrnehmungen die dabei verwendeten Informationen geprägt sind. Man kann also den Zusammenhang zwischen Augenbewegungen und Repräsentationssystem relativ klar erkennen. So wurde zum Beispiel herausgefunden, dass bereits Menschen im Alter von 3 Jahren auf bestimmte Fragen mit charakteristischen Augenbewegungen reagieren.

Bei etwa 80 % der Menschen kann man nach dem unten erklärten Schema erkennen, woher die Information geholt wird. Diese Augenbewegungen werden deshalb auch Augenzugangshinweise genannt.

Achtung:
Gleich zu Beginn: Hüte dich vor falschen Schlussfolgerungen!

Visuelle Augenzugangshinweise

Achtung:
Das Modell beansprucht keine universelle Gültigkeit. Es dient als grober Orientierungsrahmen und kann im Einzelfall auch nicht zutreffend sein. Bei Linkshändern können die Augenbewegungen auch seitenverkehrt stattfinden.

Visuell erinnern Stehen die Augen eines Menschen (von uns aus gesehen) oben rechts, dann erinnert er/sie sich an etwas, das sie/er in seiner Vergangenheit wirklich gesehen hat. Das ist visuelles Erinnern wie zum Beispiel:

  • Wie sah deine erste große Liebe aus?
  • Was hatte dein Partner/deine Partnerin gestern an?

Visuell konstruieren Wenn die Augen oben links stehen (von uns aus gesehen), dann konstruiert unser/e GesprächspartnerIn im Geist ein Bild, das er/sie bisher noch nicht in dieser Art gesehen hat. Das ist visuelles Konstruieren wie zum Beispiel:

  • Wie würde dein Nachbar mit Elefantenohren aussehen?
  • Wie sieht ein grüner Hund aus?

Auditive Augenzugangshinweise

Auditiv erinnern Stehen die Augen in der 'Mitte rechts (von uns aus gesehen), dann erinnert er/sie sich an Töne und Geräusche, die er/sie schon einmal gehört hat. Die Position ist typisch, wenn man versucht sich zu erinnern, was tatsächlich gesagt wurde. Das ist auditives Erinnern wie zum Beispiel:

  • Was hat dein Freund/deine Freundin zum Abschied gesagt?
  • Wie war die Melodie dieses Liedes?

Auditiv konstruieren Augen, die in der Mitte links stehen (von uns aus gesehen), deuten darauf hin, dass unser/e GesprächspartnerIn in seiner/ihrer Phantasie Töne, Geräusche oder Worte konstruiert. Hier findet auch der „Probelauf“ eines Satzes statt, bevor er ausgesprochen wird. Das ist auditives Konstruieren wie zum Beispiel:

  • Wie würde es sich anhören, wenn Blumen sprechen oder singen könnten?
  • Wie klingt eine Unterwassertrommel?

Auditiv-digitale und kinästhetische Augenzugangshinweise

Auditiv-digital Stehen die Augen unten rechts (von uns aus gesehen), wird ein innerer Dialog geführt. Wir hören uns selbst beim Sprechen zu und sprechen mit uns selbst. Diesen Zustand nennt man auditiv-digital - zum Beispiel:

  • Wenn jemand innerlich zu sich selbst etwa sagt: Soll ich heute die blaue oder die schwarze Hose anziehen?
  • Da sag ich mir dann immer …

Kinästhetisch Stehen die Augen unten links (von uns aus gesehen), konzentriert sich unser/e GesprächspartnerIn auf seine/ihre Gefühle. Gefühlsmäßige Erlebnisse werden nachempfunden, neu geschaffen und abgerufen. Auch der Zugang zu Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen findet hier statt. Diesen Zustand nennt man kinästhetisch - zum Beispiel:

  • Was für ein Gefühl ist es, traurig zu sein?
  • Wie fühle ich mich, wenn X passiert?

Vorsicht bei voreiligen Schlüssen!

Hüte dich davor, falsche Schlüsse zu ziehen. Unsere Denkprozesse sind komplex. Wir wissen trotz Augenstellung nicht, was dieser Mensch gerade denkt!

Dennoch spielen die Augenmuster im Kontakt mit deinen KommunikationspartnerInnen eine wichtige Rolle. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass diese NLP-Technik vom Federal Bureau of Investigation (FBI) als eine Art Lügendetektor verwendet wird oder ob dies überhaupt zu richtigen Schlüssen führen könnte!

Merke:
Vorrangig geht es darum, als aufmerksame/r BeobachterIn durch die Augenbewegungen deines Gegenübers weitere Zugangshinweise auf den in diesem Moment innerlich ablaufenden Denkprozess deines/deiner PartnerIn zu erhalten, um so noch zielorientierter kommunizieren zu können.

Einsatz in der Kommunikation

Man geht davon aus, dass die Augenbewegungen bei einer Person gleichbleibend systematisch sind. Beispielsweise kann es sein, dass eine Person, immer wenn sie ein bestimmtes Problem hat, auf die gleiche Stelle, in die gleiche Richtung schaut. Offenbar ist diese Augenbewegung (bei dieser Person) im Zusammenhang mit dieser Situation bedeutend. Eine systematische Veränderung der Augenbewegung bei Auftreten der problematischen Situation kann Veränderungsprozesse unterstützen.

Augenmuster können auch bewusst zur Selbstführung eingesetzt werden, um gezielt bestimmte Repräsentationsebenen zu aktivieren. Willst du dir selbst zum Beispiel bewusst etwas Visuelles in Erinnerung rufen, so kannst du dies unterstützen, indem du die Augen in das obere linke Drittel bewegst. Wenn du ein gefühlsmäßiges Erleben beenden möchtest, hebe die Augen aus dem unteren Drittel und aktiviere so visuelle und auditive Sinneswahrnehmungen.

Einsatz in der Betriebsratsarbeit

Du kannst die Augenzugangshinweise auch in der täglichen Betriebsratsarbeit verwenden. Sie helfen dir bei der Gestaltung von Postern, Werbematerial, Aushängen und so weiter.

  • Beispielsweise solltest du emotionale Inhalte am ehesten in der rechten unteren Ecke eines Posters platzieren, denn wenn Gefühle im Spiel sind, rollen die Augen nach unten rechts.
  • Vermutungen und Fragestellungen, die möglicherweise innere Dialoge auslösen könnten, kommen in die linke untere Ecke, denn hier spricht Mensch mit sich selbst.
  • Links oben platzierst du Inhalte, bei denen Bilder in Erinnerung gerufen werden sollen, denn dorthin wandern die Augen beim visuellen Erinnern ohnehin.
  • Rechts oben platzierest du Informationen, bei denen bisher ungeahnte Vorstellungen und Bilder ausgelöst werden sollen, denn dorthin rollen die Augen, wenn Bilder im Kopf konstruiert werden.
  • Gehe ebenso beim auditiven Erinnern (Mitte links) und beim auditiven Konstruieren (Mitte rechts) vor.

Auf diese Weise kannst du die gewünschte Lesart deiner Aussage unterstützen! Die Augenzugangshinweise helfen dabei, die Botschaft „richtig“ rüber zu bringen. (Also in deinem Sinne!)

Am Beispiel der Plakatgestaltung soll dies deutlich gemacht werden:

Bild vom
letzten Betriebsausflug
Visuelle Erinnerung Visuelle Konstruktion Bild vom
nächsten Ausflugsziel
Gemeinsamer Liederabend
beim letzten Betriebsausflug
Auditive
Erinnerung
Auditive
Vorstellung
Geplanter Musikabend /
Meeresrauschen
"Wir arbeiten täglich miteinander –
aber kennen wir uns eigentlich?"
Innerer Dialog Gefühle Entspannung,
geselliges Beisammensein


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